Projekt-Vorstellung

Mibrag: Braunkohle-Großprojekt geplant [Upd.]

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) erkundet ab dem kommenden Jahr ein großes Braunkohlevorkommen in der Nähe von Magdeburg. Ab August 2007 plant das Unternehmen in einer ersten Phase etwa 80 Bohrungen südwestlich von Egeln im Feld Hakeborn.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Theißen/Egeln (ddp-lsa/sm) - Anschließend würden die Felder Schneidlingen und Löderburg erkundet, kündigte die Mibrag am Donnerstag an. Erst nach der Auswertung der Ergebnisse in drei bis vier Jahren könne gesagt werden, ob sich der Abbau der Rohbraunkohle in der Egelner Südmulde lohne, sagte der kaufmännische Mibrag-Geschäftsführer Heiner Krieg bei der Vorstellung des Projektes.

Die Lagerstätte gehört laut Mibrag mit einem Vorrat von etwa einer Milliarde Tonnen Kohle zu den größten zusammenhängenden Vorkommen in Deutschland. Dort wurde bereits ab 1842 Kohle gewonnen. 2030 könnte der erste Abraum abgetragen werden. Die Mibrag, die im Süden von Sachsen-Anhalt den Tagebau Profen betreibt, stellte 1000 Arbeitsplätze in Aussicht. Rund 50 Jahre lang könnte bei einer Verwirklichung des Projekts dort Kohle abgebaut werden.

Das dafür nötige Bergwerkseigentum stammt noch aus DDR-Zeiten. Damals wurde der Abbau nicht mehr vorangetrieben, da die Kohle sehr salzhaltig sein soll. Das wäre heutzutage kein Problem mehr, sagte der Mibrag-Abteilungsdirektor technische Planung und Umweltschutz, Andreas Günther. Technologien zur Verbrennung solcher Kohle gebe es bereits. Die Mibrag geht davon aus, dass in der Nähe des Abbaugebiets ein Kraftwerk entstehen soll. "Wir haben uns schon umgesehen. Dafür sollte eine Industriebrache genutzt werden", sagte Günther.

Die Mibrag hatte in den vergangenen Tagen bereits Gespräche mit Bürgermeistern betroffener Gemeinden und Bauern geführt. Es seien sehr kritische Fragen gestellt worden, sagte Krieg. Jedoch seien die Gespräche immer sachlich gewesen. "Das läuft nicht überall so sachlich ab", sagte der Mibrag-Geschäftsführer. Weitere Gespräche seien geplant. Noch sei nicht klar, welche Gemeinden im Fall eines Braunkohleabbaus weichen müssten.

Der SPD-Landtagsabgeordnete und frühere Innenminister Manfred Püchel, der in Etgersleben am Rande des Bergbaugebiets wohnt, sagte: "Ich freue mich nicht". Er habe gedacht, mit dem Ende der DDR seien auch die Bergbaupläne erledigt. Sollte es allerdings so kommen, wie die Mibrag plant, müsse die Politik den Bürgern helfen, dass für sie kein Schaden entstehe. Die Landrätin von Ascherleben Staßfurt, Heike Brehmer (CDU), sagte: "Von uns können sie keine Begeisterungsstürme erwarten."

Mit Unverständnis reagieren die Grünen auf die Pläne der Mibrag, in der Egelner Mulde Braunkohle abbauen zu wollen. Beste landwirtschaftliche Böden würden dadurch zu "Mondlandschaften", sagte der Landesvorsitzende Ralf-Peter Weber am Freitag. Außerdem seien durch den möglichen Abbau Ortschaften bedroht. "Die Renaissance der heimischen Kohle, wie es Energiekonzerne und ihre Lobby in Verbänden und Politik betreiben, führt in eine Sackgasse", sagte er.

Von Ramona Köhler

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