Debatte

Merkel verteidigt Kohle- und Kernkraft

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in der Klimadebatte den Bau neuer Kohlekraftwerke verteidigt und den noch von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossenen Atomausstieg kritisiert. Sie halte den Ausstieg "nicht für sinnvoll".

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Osnabrück (ddp/sm) - Zugleich sprach sich Merkel auf einer Podiumsdiskussion auf dem Deutschen Katholikentag in Osnabrück gegen ein generelles Tempolimit aus. Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) forderte bei der Veranstaltung eine Weiterentwicklung der Bio-Kraftstoffe.

Merkel betonte, sie halte das deutsche Vorgehen, mit sicheren Atomkraftwerken als erstes europäisches Land aus dieser Energieerzeugungsform auszusteigen "nicht für sinnvoll". Zudem seien die Schließung von alten und der Bau neuer Kohlekraftwerke "allemal sinnvoller", als den Strom "sonst wo einzukaufen", betonte die Kanzlerin.

Auf Einwürfe aus dem Publikum, wann der Kohle-Ausstieg nun komme, sagte die Kanzlerin, man könne "ja nicht von heute auf morgen" alle Kohlekraftwerke abschalten. "Sonst gibt es keinen Strom mehr", fügte Merkel hinzu. Bio-Masse und Bio-Kraftstoffe seien ihrer Ansicht nach durchaus ein Beitrag um den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren. "Den sparsamen Umgang mit Ressourcen ersetzen sie aber nicht", erläuterte Merkel. Zugleich betonte sie, dass sie "kein richtiger Freund" eines Tempolimits auf Autobahnen wäre. "Die Masse des CO2" im Autoverkehr entstehe "im Stau und nicht bei Tempo 180", sagte die Kanzlerin.

Der ehemalige Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, sprach sich in Osnabrück für eine Weiterentwicklung von Bio-Kraftstoffen aus. "Selbst wenn fossile Brennstoffe kein Kohlendioxid verursachen würden - sie gehen uns irgendwann aus", erläuterte er. Also müsse man nach Alternativen suchen. Töpfer schränkte allerdings ein, dass weder die Erzeugung von Bio-Kraftstoffen "in Konkurrenz zu Lebensmitteln" stehen noch die dafür benötigten Pflanzen umweltschädlich angebaut werden dürften.

Töpfer sagte, er honoriere die Anstrengungen der Industrie, effizientere Motoren und Kraftwerke zu bauen. "Unser Problem aber ist doch, dass die steigende Effizienz durch die steigenden Verbraucherzahlen zunichte gemacht wird", gab der Ex-Umweltminister zu bedenken.

Der Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), Wolfgang Ehrenlechner, ergänzte, junge Menschen seien "sensibel" für die Themen Umwelt- und Klimaschutz. "Wie nehmen die vom Klimawandel ausgehende Bedrohung wahr", sagte er. Etliche junge Menschen seien auch bereit, daraus Konsequenzen für ihr eigenes Leben zu ziehen. Er forderte Politik und Wirtschaft jedoch dazu auf, den jungen Menschen zu helfen, "gleichzeitig Energie sparen zu können und trotzdem nicht auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten zu müssen".