Gespräche

Merkel trifft erstmals die Atom-Ethikkommission

Als einer der beiden Vorsitzenden der neuen Ethikkommission zur Energiepolitik hat Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, vor einem übereilten Atomausstieg gewarnt. Am Montag trifft sich Kanzlerin Merkel erstmals mit der Kommission.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Düsseldorf/Hannover/Frankfurt (dapd/afp/red) - "Man kann nicht das eigene Haus kehren und den Kehricht in Nachbars Garten kippen", sagte Kleiner der "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe). "Wir sind nicht alleine auf der Welt. Es wäre nichts gewonnen, wenn wir zwar unsere Atomkraftwerke schneller abschalten, aber dafür Atomstrom aus dem Ausland importieren."

Zugleich äußerte sich Kleiner skeptisch über die Zukunft der Kernenergie. "Auch mich haben die Katastrophen in Japan als Ingenieurwissenschaftler sehr nachdenklich gemacht", sagte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) der "Rheinischen Post" (Montagsausgabe). "Jede Technologie, die für Menschen heute unkalkulierbar und nicht beherrschbar ist, ist eine Hypothek, die wir unseren Kindern nicht hinterlassen dürfen."

Am Montag treffen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen mit der neuen Ethikkommission zusammen, die von dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer und DFG-Präsident Kleiner geleitet wird.

Bundeskanzlerin Merkel will die Interessen der deutschen Industrie nicht einem Ausstieg aus der Atomenergie opfern. "Es kann nicht sein, dass wir Energieversorgung und industriellen Standort gegeneinander ausspielen", sagte sie am Sonntag zur Eröffnung der Hannover Messe vor mehreren Hundert Managern.

Aufgabe sei es, einen Atomausstieg "mit Augenmaß so schnell wie möglich zu erreichen". Durch die Katastrophe in Fukushima hat das Wort Restrisiko "eine neue Bedeutung erhalten", sagte die Kanzlerin. Man dürfe nun "nicht so tun, als hätten wir auf alle Fragen eine Antwort".

Deutschland kann nach Ansicht des ehemaligen Bundesumweltministers Klaus Töpfer (CDU) rasch aus der Atomenergie aussteigen, ohne negative Folgen für die Wirtschaft zu verursachen. "Wir werden es belegen, dass eine wirtschaftlich starke Nation wie Deutschland diese Stärke auch behalten kann", sagte Töpfer am Montag dem Radiosender hr-Info.