Baubeginn CO2-freies Braunkohlekraftwerk

Merkel: Braunkohle weiterhin unverzichtbar [Update]

Im Beisein von Bundeskanzlerin Merkel beginnen heute im Industriepark Schwarze Pumpe bei Spremberg offiziell die Bauarbeiten für das weltweit erste so genannte CO2-freie Braunkohlekraftwerk. In einem Zeitungsinterview bekräftigte sie das Festhalten an der Braunkohle als wichtigem Energieträger.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Spremberg/ Potsdam (ddp/sm) - Gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck sowie der Führung des Energiekonzerns Vattenfall Europe will Merkel den Spatenstich für das rund 50 Millionen Euro teure Pilotprojekt setzen. Bei dem 30 Megawatt-Kraftwerk gelangt das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) nicht mehr in die Atmosphäre, sondern wird in unterirdischen Anlagen gespeichert. 2008 soll die Anlage in Betrieb gehen. Sollte der Pilotbetrieb erfolgreich verlaufen, plant Vattenfall die Errichtung eines 1000 Megawatt Kraftwerks auf der Grundlage dieser umweltschonenden Technologie.

Der in Potsdam erscheinenden "Märkischen Allgemeinen" sagte Merkel, umweltfreundliche erneuerbare Energien seien zum Teil noch relativ teuer und nicht konstant verfügbar, Die Braunkohle habe Vorteile im Hinblick auf Preis und Versorgungssicherheit: "Deutschland kann es sich schon aus wirtschaftlichen Gründen auf absehbare Zeit nicht leisten, auf diesen Energieträger zu verzichten."

Es gelte daher, die Nutzung der Braunkohle umweltfreundlicher zu gestalten. Die ostdeutschen Braunkohlekraftwerke gehörten bereits zu den saubersten und effizientesten auf der Welt. Mit der Entwicklung von CO2-freien Kraftwerke könne es gelingen, die Kohleverbrennung mit dem Klimaschutz zu vereinbaren. Die deutsche Stromerzeugung basiert laut Merkel derzeit zu mehr als einem Viertel auf der Nutzung von Braunkohle.

Merkel bekräftigte, die Bundesregierung werde im zweiten Halbjahr 2007 ein "in sich schlüssiges energiepolitisches Gesamtkonzept" vorlegen.

Am Rande des Baustarts demonstrierten Mitarbeiter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) demonstrierten gegen die Energiepolitik des Stromkonzerns Vattenfall. Der Umweltverband sieht hier ein "Feigenblatt, hinter dem der Stromkonzern seine umwelt- und klimaschädlichen Aktivitäten verstecken will". Auch Brandenburg habe unter den negativen Auswirkungen dieser Aktivitäten zu leiden. Begründet wird der Protest mit von Energiekonzern geplanten Kohlekraftwerken im brandenburgischen Boxberg, in Berlin und Hamburg sowie dem Betrieb des Kraftwerkes "Schwarze Pumpe".