Alamierend

Merkel: Atomkraft ist kein Ausweg aus Klimawandel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt vor einer Überschätzung der Kernenergie in der Klimapolitik. Ähnlich äußerte sich auch der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU). Zugleich forderte die Kanzlerin von der Autoindustrie verstärkte Anstrengungen zum Bau spritsparender Autos.

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Berlin (ddp/sm) - Merkel bedauerte auf der Münchner Sicherheitskonferenz zwar, dass im Rahmen des vereinbarten Atomausstiegs in Deutschland auch Kernkraftwerke abgeschaltet werden sollen, die sicher seien. Tatsache sei aber auch, dass die Kernkraft nicht "der Ausweg" aus dem Klimawandel sein könne.

Ähnlich äußerte sich der frühere Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP) und ehemaliger Bundesumweltminister Töpfer. Die Atomenergie sollte heute und künftig nur eine "sehr begrenzte" Rolle spielen. "Die Kernenergie kann die Klimaproblematik nicht lösen", betonte der frühere Bundesumweltminister. Am Freitag hatte sich CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger sogar ganz für eine Abkehr von der Kernenergie ausgesprochen.

BDI-Präsident Jürgen Thumann plädierte dafür, die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke von heute durchschnittlich 32 Jahre um 10 Jahre zu verlängern, um Zeit für den Ausbau erneuerbarer Energien zu gewinnen. Thumann räumte zwar ein, dass der Klimawandel "sehr ernst" genommen werden müsse. Hierbei sollten aber globale Ansätze gefunden werden. Eine Vorreiterrolle bringe die deutsche Wirtschaft und Arbeitsplätze in Gefahr, warnte der Industriepräsident.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas ermahnte unterdessen Deutschland, den Atomausstieg klimafreundlich zu gestalten. Es wäre zu begrüßen, wenn Kernkraftwerke, die vom Netz genommen werden, durch kohlendioxidarme Kraftwerke - zum Beispiel erneuerbare Energien oder hocheffiziente und saubere Gas- und Kohlekraftwerke - ersetzt würden.

Merkel nannte die Berichte über den Klimawandel "mehr als alarmierend". Sie mahnte verstärkte Anstrengungen in Forschung und Entwicklung von Umwelttechnologien an. Dabei richtete die Kanzlerin einen besonderen Appell an die Autohersteller. Deutschland dürfe hier Entwicklungen "nicht hinterherlaufen". Als Beispiel nannte sie die Hybridtechnologie. "Ich fordere alle Entwicklungsingenieure in der starken Automobilbranche in Deutschland auf, alles daran zu setzen, neben vielen anderen Aspekten für ein gutes Auto auch den Aspekt effizienten Verbrauchs von Sprit bei der Entwicklung des Autos zu bedenken und ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen." Dies werde auch Arbeitsplätze sichern.

Die Bundesregierung will selbst beim Klimaschutz vorangehen. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte an, dass die Regierung für CO2-Belastungen durch Dienstreisen aller Mitarbeiter Ausgleichszahlungen an Entwicklungsländer leisten will. Die Gelder sollen dann dort zur Minderung von Emissionen investiert werden. "Am Ende wird man sagen können, die Regierung arbeitet klimaneutral", sagte Gabriel.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kündigte die Umstellung der Dienstwagen-Flotte seines Ministeriums auf Erdgas-Autos an. Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) legte auch den Bürgern solche Autos ans Herz. "Die sind solide und stoßen 25 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein Benziner", sagte Trittin. Die höheren Anschaffungspreise holten Verbraucher durch die geringeren Spritkosten wieder herein. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, forderte ein Ende der Steuerbefreiung für Flugbenzin.

Nach einer Untersuchung der Autozeitschrift "auto motor und sport" liegen derzeit 113 aktuelle Fahrzeug-Modelle in Deutschland unter der von der EU geforderten Obergrenze des Kohlendioxidausstoßes von 130 Gramm pro Kilometer. Darunter sind 25 deutsche Modelle.

Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) riet derweil zum Umstieg auf Erdgas-Autos. "Die sind solide und stoßen 25 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein Benziner", sagte er. Die höheren Anschaffungspreise holten Verbraucher durch die geringeren Spritkosten wieder herein, "Vielfahrer schnell, Wenigfahrer später".

Von Stefan Uhlmann