Name-Dropping

Melchior angeblich als Chef für Kohlestiftung im Gespräch

Das Namenskarussell für einen möglichen Vorsitzenden der neuen Steinkohlestiftung dreht sich weiter auf Hochtouren. Ins Spiel gebracht wurden in den letzten Tagen Friedrich Merz, Burckhard Bergmann, Kajo Neukirchen - und jetzt neu: der ehemalige Ruhrkohle-Manager Jochen Melchior.

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Köln (ddp/sm) - Nachdem Medien zu Wochenbeginn den ehemaligen CDU-Fraktionschef Friedrich Merz genannt hatten, brachte die Online-Ausgabe der Zeitschrift "Capital" am Dienstag den ehemaligen Ruhrkohle-Manager Jochen Melchior ins Gespräch. Dem Blatt zufolge soll der erste Vorsitzende auf der Sitzung des Koalitionsausschusses am Montag kommender Woche in Berlin ernannt werden.

Melchior sei ein aussichtsreicher Kandidat, berichtet das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise. Der 64-Jährige sei seit 1980 beim RAG-Vorgänger Ruhrkohle beschäftigt gewesen und leitete von 1995 bis 2003 den zum RAG-Konzern gehörenden Energie-Erzeuger Steag. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist Aufsichtsrat unter anderem der Klöckner-Werke, der Klöckner & Co und der Essener National Bank. Im RAG-Konzern hat er gegenwärtig keine Mandate.

Hintergrund des Streits ist der für 2008 geplante Börsengang des RAG-Konzerns. Vor dem Börsengang wird der Konzern in die Steinkohlestiftung eingebracht und der Bergbau - der so genannte schwarze Bereich - abgespalten. Den so genannten weißen Bereich des RAG-Konzerns mit den Sparten Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien bringt die Stiftung dann an die Börse. Die Einnahmen aus dem Börsengang soll die Stiftung nutzen, um die Folgekosten des Bergbaus, die so genannten Ewigkeitskosten, abzudecken. Mit dem Auslaufen der Bergbau-Subventionierung im Jahr 2018 schließen die letzten deutschen Steinkohlezechen.

Zunächst hatte der RAG-Chef und frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller den Stiftungsvorsitz für sich beansprucht. Nordrhein- Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte Müller abgelehnt, der nun Chef des so genannten weißen Bereichs der RAG werden soll. Erst am Wochenende hatte der "Spiegel" für den Chefposten der Steinkohlestiftung E.ON-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann und Ex-Metallgesellschaftschef Kajo Neukirchen ins Gespräch gebracht.

Am Mittwoch wird das Thema einen weiteren so genannten Steinkohlegipfel in Berlin beschäftigen. Die Frage nach dem neuen Vorsitzenden soll dabei erneut vertagt werden, wie die "Rheinische Post" (Dienstagausgabe) aus verhandlungsnahen Kreisen berichtet. Diskutiert werde jetzt eine Lösung, wonach der Vorsitz kommissarisch besetzt werden soll, um die geplante Stiftung schnell gründen zu können.