Staatsanwaltschaft

Mehrere Strafanzeigen gegen Prokon

Beim Tumult um den Windkraftspezialisten Prokon ist nun auch die Staatsanwaltschaft in Erscheinung getreten. Gleich mehrere Strafanzeigen der vergangenen Monate müssen überprüft werden. 1.300 Arbeitnehmer bangen derzeit um ihre Stellen, allein 500 davon in Itzehoe.

Windrad© Martin Lehotkay / Fotolia.com

Lübeck/Itzehoe (dpa/red) - In den vergangenen Monaten seien mehrere Strafanzeigen gegen den Prokon eingegangen, hieß es am Montag aus der Lübecker Staatsanwaltschaft. "Wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht wegen Betruges und weiterer Wirtschaftsdelikte besteht oder nicht", sagte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm der Nachrichtenagentur dpa. Sollte es diesen Verdacht geben, würden Ermittlungen aufgenommen.

Sorge um 1.300 Arbeitnehmer

Die mögliche Pleite von Prokon löste große Besorgnis um Hunderte Jobs aus. In der Zentrale in Itzehoe sind rund 500 von insgesamt 1.300 Arbeitnehmern beschäftigt. Die oppositionelle CDU und FDP im Kieler Landtag forderten von der Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW ein Signal zum Erhalt der Arbeitsplätze. Das Landes-Arbeitsministerium in Kiel wollte sich zunächst um Informationen über die Lage bemühen.

Nicht von allergrößter Bedeutung

Für die Windenergie-Branche ist Prokon nach Einschätzung des Bundesverbandes Windenergie (BWE) "nicht von allergrößter Bedeutung". Eine Insolvenz würde für die Branche keine besonderen Risiken bedeuten, sagte der stellvertretende BWE-Bundeschef und Präsident des schleswig-holsteinischen Landesverbandes, Hermann Albers. Wichtig sei aber, dass das Unternehmen seine soziale Verantwortung für die Mitarbeiter wahrnehme und die Interessen der Anleger gewahrt würden. Angesichts des Einwerbens von über einer Milliarde Euro Kapital habe Prokon mit seinen Werbeaktivitäten in der Branche eine besondere Stellung, sagte Albers. Immer wieder sei ihm zu Ohren gekommen, dass Prokon mit frischem Kapital Zinsen für Anlegerkapital bedient habe.

Hohes Risiko für Anleger

Betroffene einer möglichen Insolvenz wären nach Einschätzung des Deutschen Verbraucherschutzrings vor allem Kleinanleger. Denn die Genussrechte konnten bereits für 100 Euro erworben werden. Vor dem Hintergrund der Pleitedrohung fordern Verbraucherschützer schärfere Regeln für den "grauen Kapitalmarkt". Die Bundesminister Heiko Maas (SPD/Justiz) und Wolfgang Schäuble (CDU/Finanzen) müssten vor allem den Vertrieb umgehend beschränken, "so dass diese Produkte nicht mehr beworben und empfohlen werden dürfen", sagte die Finanzexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Dorothea Mohn, dem Handelsblatt (Dienstag). Genussrechte könnten viele Verbraucher in den Ruin treiben. Prokon sei dafür nur ein Beispiel in einer ganzen Reihe von Skandalen, kritisierte Mohn.

Bundesweit hat Prokon Geld in Windkraftanlagen mit einer Leistung von 458,2 Megawatt, in Polen in Anlagen mit 68 Megawatt gesteckt. In Schleswig-Holstein spielt das Unternehmen bei der Erzeugung von Windenenergie eher eine kleine Rolle. Derzeit sind dort nach Angaben des Kieler Energieministeriums 3600 Megawatt Windenergie installiert.

Quelle: DPA