Versorgungssicherheit

Mehr Vorsorge für Stromausfälle in der Industrie gefordert

Drei Wochen vor der Konferenz "Stromausfall in der Industrie" hat der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft Industrieunternehmen dazu angeregt, die eigene Versorgungssituation zu überdenken. Als positives Beispiel wurde die Bayer AG hervorgehoben.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Sulzbach am Taunus (red) - Statt sich nur auf Stromanbieter zu verlassen, sollten Industrieunternehmen selbst Maßnahmen treffen, um bei der nächsten Stromunterbrechung Nachteile zu verhindern. Das sagte Dr. Christoph Bier vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. (VIK) im Vorfeld der IIR-Konferenz "Stromausfall in der Industrie", die am 22. und 23. Mai 2007 in Mannheim stattfindet.

"Es sind nicht nur die großen Stromausfälle, wie zuletzt im November 2006, die den Ablauf von Prozessen in Industrieunternehmen stören", sagte Bier. "Auch kleine Spannungsschwankungen, die private Stromkunden nicht bemerken, können zu erheblichen Produktionsausfällen führen."

So könne eine Unterbrechung der Stromzufuhr von weniger als einer Sekunde die Produktion in einigen Betrieben für zwölf Stunden lahm legen. "Gerade bei elektronischen Steuerungsanlagen schaltet sich die Maschine automatisch ab, woraufhin der Ausschuss weggeräumt werden und die Maschine gesäubert werden muss. Das kostet Zeit und Geld." Besonders betroffen seien Unternehmen, deren Produktionsprozesse elektronisch gesteuert würden, zum Beispiel Hersteller von Computerchips.

Versorgungssicherheit gewinne immer mehr an Bedeutung, beobachtet Bier. "Die Unternehmen sind heute stärker sensibilisiert und führen genauer Buch darüber, wann es eine Unterbrechung gab und wie lange sie gedauert hat."

Zwar müssten die Netzbetreiber zukünftig stärker in die Pflicht genommen werden. Dennoch könnten Unternehmen auch selbst Vorsorge treffen: Das könne zum Beispiel geschehen durch Speichertechnologien, Notstromaggregate, eine zweite Stromleitung oder durch eigene Kraftwerke.

Bereits zum Teil unabhängig von nationalen Stromanbietern ist die Bayer AG: Ihr Tochterunternehmen Bayer Industry Services betreibt ein eigenes Stromnetz mit fünf Kraftwerken. "Damit erzeugen wir 30 bis 40 Prozent der in den Chemieparks benötigten Energie selbst", berichtet der Leiter der Elektrizitätsversorgung, Wilhelm Heuken. Den Rest beziehe Bayer von Co-Lieferanten wie der RWE AG. Auf der IIR-Konferenz will Heuken über seine Erfahrungen mit einem eigenen Stromnetz sprechen.