Zusicherungen

Mehr Transparenz für Erdgasbohrungen im Münsterland

Mit Blick auf die öffentliche Debatte über die geplante Suche nach Erdgas im Münsterland hat der Energiekonzern Exxon Mobil mehr Offenheit über die verwendeten Methoden und Stoffe versprochen. Ob indes sogar das Bergrecht geändert werden wird, ist mehr als fraglich.

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Münster (dapd/red) - Um das Versprechen des Konzerns zu unterstreichen, kam am Mittwoch Vorstandschef Gernot Kalkoffen nach Münster zu einer Sondersitzung des Regionalrates. Eine von den Regierungspräsidenten von Arnsberg und Münster ins Gespräch gebrachte Überprüfung des bestehenden Bergrechts lehnte er ab.

Der Münsteraner Regierungspräsident Peter Paziorek (CDU) machte zu Beginn der Sitzung deutlich, dass er die Befürchtungen der Bürger "sehr gut nachvollziehen" könne. Von der Veranstaltung erhoffte er sich, Antworten auf "viele offene Fragen" zu erhalten, da die Gewinnung von Energie nicht zu "Beeinträchtigungen des Menschen und der Umwelt" führen dürfe. Eine "Hauruck-Entscheidung" zu dem für Nordwalde eingereichten Antrag auf eine Erkundungsbohrung werde es nicht geben. Den Vorschlag seines Amtskollegen aus Arnsberg, Gerd Bollermann (SPD), eine Novellierung des Bergrechts zu prüfen, begrüßte Paziorek.

Vorstandschef Kalkoffen hält eine Anpassung des Gesetzes hingegen nicht für notwendig. Er verwies auf die Jahrzehnte lange Erfahrung mit Erdgasförderung in Niedersachsen und sagte, es habe in seiner jetzigen Form zu keinen größeren Problemen geführt. Angesprochen auf einen erst kürzlich bekanntgewordenen Vorfall in Niedersachsen, bei dem bereits 2007 aus einer undichten Leitung mit Quecksilber belastetes Lagerstättenwasser ausgetreten war, kündigte Kalkoffen mehr Transparenz an. Der Konzern sei "lernfähig". Allerdings seien damals alle zuständigen Behörden informiert worden.

Chemikalien sollen offengelegt werden

Unternehmenssprecher Norbert Stahlhut erklärte den anwesenden Parteienvertretern und zahlreichen Bürgern die Pläne für die Erdgassuche im Münsterland. Bei den in Nordwalde, Borken und Drensteinfurt geplanten Probebohrungen gehe es darum, "Daten aus dem Untergrund zu ermitteln". Volker Wrede vom Geologischen Dienst NRW sagte, auch die Behörden brauchten die Informationen aus der Tiefe, um über eine spätere Fördergenehmigung zu entscheiden.

Stahlhut versprach außerdem, alle bei den geplanten Bohrungen zum Einsatz kommenden Chemikalien "komplett" offenzulegen, auch für ein mögliches Frack-Verfahren. Umweltschützer befürchten durch die dazu in den Boden gepressten Chemikalien Verunreinigungen des Grundwassers. Ob dieses Verfahren zum Einsatz komme, sei aber noch offen, sagte Stahlhut. Ein Genehmigungsantrag wurde noch nicht gestellt. Seinen Angaben zufolge besteht die Fracking-Flüssigkeit nur zu 0,5 Prozent aus Zusatzstoffen. Darunter sei ein Stoff der Wassergefährdungsstufe 3 und ein Biozid. Die Mischung insgesamt werde aber als nur "schwach wassergefährdend" eingestuft und sei nicht meldepflichtig. Der Bezirksregierung liegt die Liste der Stoffe nach Aussage des Regierungspräsidenten vor.

Außerdem wolle das Unternehmen einen Arbeitskreis mit Vertretern aller betroffenen Gemeinden, unabhängigen Fachleuten und den Interessengruppen gegen die Erdgasbohrungen einrichten, um die Exploration wissenschaftlich zu begleiten.

Für einige Ratsmitglieder blieben auch nach der Sitzung noch Fragen offen. Es wurden Forderungen nach einem Genehmigungsstopp laut. Auch Jürgen Kruse von der Borkener Interessengemeinschaft "Gegen Gasbohren" war vom Auftritt des Konzerns nicht überzeugt. Seiner Meinung nach sollte nicht Exxon Mobil die Probebohrung durchführen, sondern ein Team unabhängiger Experten der Universität Aachen.