Vorfall im Sommer

Mehr Aufklärung zu Grafenrheinfeld gefordert

Die Grünen fordern von der Staatsregierung in Bayern Aufklärung zu einem Vorfall im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld im vergangenen Sommer. In diesem Fall gebe es einige Ungereimtheiten - und sowohl der Betreiber E.ON als auch das Umweltministerium spielten den Vorfall herunter, hieß es.

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Grafenrheinfeld (dapd/red) - Das erklärte der energiepolitische Sprecher der Grünen, Ludwig Hartmann, am Montag in München. In einem Dringlichkeitsantrag fordert die Partei deswegen nun von der Regierung, in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses umfassend über die genaueren Hintergründe zu informieren.

Unter anderem stellen die Grünen infrage, warum "ein Ereignis vom Juni nachträglich im Dezember diskutiert und als meldepflichtig eingestuft" und warum ein betroffenes Rohrstück nicht sofort ausgetauscht worden sei.

Das bayerische Umweltministerium wies die Kritik der Grünen zurück. "Das entbehrt jeder fachlichen Grundlage und ist ideologisch motiviert. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld war zu jeder Zeit sicher", erklärte eine Sprecherin. Dies sei durch den TÜV Süd und die Reaktorsicherheitskommission des Bundes "eindeutig bestätigt worden". Man sei jederzeit bereit, im Umweltausschuss des Landtags zu berichten.

Ungewöhnliche Anzeige könnte auf Riss hindeuten

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge soll im Juni 2010 bei einer Routinekontrolle in Grafenrheinfeld eine ungewöhnliche Anzeige aufgefallen sein, die auf einen möglichen Riss an einem Thermoschutzrohr hindeutete. Demnach lag der mögliche Riss im Innenbereich des Reaktors im nuklearen Teil der Anlage an einer Leitung, die den Hauptkühlkreislauf mit dem Druckbehälter des Reaktors verbindet. Ein Bruch der Leitung würde zu "schwerem Kühlmittelaustritt" und in der Folge zu einem in Deutschland so noch nie da gewesenen "Störfall der Stufe 3" führen, hätten Experten des Bundesumweltministeriums vermutet.

E.ON und die zuständige bayerische Atomaufsicht hätten den Vorfall zunächst als nicht meldepflichtig eingestuft und ihn erst sechs Monate später bekannt gegeben. Auch das zuständige Referat des Bundesumweltministeriums habe erst Monate später von dem Vorgang erfahren und daraufhin eine umgehende Abschaltung des Reaktors gefordert.