Energiearmut

MDR: Hartz-IV-Empfängern fehlt Geld für Stromkosten

Hartz-IV-Empfängern in Mitteldeutschland fehlt laut einem Bericht des MDR Geld zur Begleichung ihrer Stromrechnung. Dass der Regelsatz für Haushaltsstrom zu gering angesetzt ist, hatte jüngst auch das Verbraucherportal Verivox ausgerechnet. Ein Zusatzproblem: Viele Bedürftige bleiben beim Grundversorger hängen.

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Leipzig (dapd/red) - Nach einer Studie der Gemeinnützigen Gesellschaft für Verbraucher und Sozialberatung werden in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen fast 70 Millionen Euro zu wenig an Hartz-IV-Haushalte für Stromkosten ausgezahlt, wie der Sender am Mittwoch in Leipzig mitteilte.

Hohe Strompreise führen zu dreistelligem Fehlbetrag

Für eine vierköpfige Familie in Thüringen seien es bis zu 346 Euro im Jahr. In Sachsen-Anhalt belaufe sich die Summe auf bis zu 393 Euro, und in Sachsen ergebe sich ein Fehlbetrag von bis zu 524 Euro. Den Single-Haushalten fehlten bis zu 177 Euro. Im aktuellen Hartz-IV-Satz seien für einen Ein-Personen-Haushalt jährlich 321,80 Euro für Hausstrom vorgesehen.

Regelsatz ist zu niedrig angesetzt

Kürzlich war das unabhängige Verbraucherportal Verivox zu dem Schluss gekommen, dass der Regelsatz von 30,42 Euro zu gering angesetzt ist. Laut dem Verivox-Verbraucherpreisindex Strom habe ein Single-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 2000 kWh im Mai 2011 durchschnittlich 26,43 Cent pro Kilowattstunde bezahlt. Das entspricht monatlichen Kosten von 44,05 Euro. Damit überstiegen die reinen Stromkosten den Regelsatz bereits um 45 Prozent – die Ausgaben für Kochgas und Wohnungsinstandhaltung kämen noch dazu.

Zudem könnten Bedürftige nur eingeschränkt am Wettbewerb auf dem Strommarkt teilhaben, da die meisten überregionalen Stromanbieter die Bonität von Neukunden prüften. In der Praxis bedeute dies, dass viele Verbraucher, die staatliche Unterstützung beziehen, oft nicht zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln könnten, damit in der teuren Grundversorgung verblieben und hohe Strompreise zahlten.