Keine Zurückhaltung

Marnette legt Vorsitz im BDI-Energieausschuss nieder

Weil er sich keine größere Zurückhaltung in der Diskussion um die hohen Strompreise auferlegen kann, ist Werner Marnette, Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie, am Freitag von seinem Amt als Vorsitzender des BDI-Energieausschusses zurückgetreten.

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Berlin (ddp/sm) - Werner Marnette, Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie, ist am Freitag von seinem Amt als Vorsitzender des Energieausschusses des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zurückgetreten. Er werde den Vorsitz in der kommenden Sitzung des Ausschusses abgeben, schrieb Marnette in einem persönlichen Brief an Industrie-Präsident Jürgen Thumann.

"Die vor allem von den vier Vorstandsvorsitzenden der Energieversorgungsunternehmen geäußerte Erwartung, als Vorsitzender des BDI-Energieausschusses müsste ich mir eine größere Zurückhaltung in der Sache auferlegen, deckt sich weder mit meiner Überzeugung noch mit meinen Absichten", heißt es in dem Brief. Marnette habe darauf verwiesen, dass sich die anhaltend hohen Strom- und Gaspreise immer mehr zu einer unerträglichen Belastung besonders der energieintensiven Unternehmen entwickelt hätten.

BDI-Präsident Thumann bedauerte die Entscheidung. Marnette habe über viele Jahre die energiepolitische Position des BDI maßgeblich geprägt. "Ohne ihn gäbe es nicht die Verbändevereinbarungen, und ohne ihn wäre das für manch' einen nachrangige Energiethema jetzt nicht so im öffentlichen und politischen Bewusstsein verankert", erklärte Thumann. Auch ihn bewege die Energiepreisentwicklung sehr, fügte er hinzu. Die dauerhaft hohen Strom- und Gaspreise seien eine Bedrohung vor allem für die energieintensiven Industrieunternehmen in Deutschland. Die hohen öffentlichen Abgaben und Belastungen wie auch der noch nicht voll funktionierende Wettbewerb auf dem Energiesektor müssten daher Kernpunkte der Kritik des BDI bleiben, sagte er weiter.

Michaele Hustedt, energiepolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen sieht in Marnettes Rücktritt ein klares Indiz dafür, dass in der Energiewirtschaft etwas schief läuft. "Die Energiekonzerne müssen sich endlich ihrer Verantwortung für den Standort Deutschland bewusst werden. Gewinne ja, aber keine unberechtigte Abzocke", sagte sie in Berlin.