Brief an EU

Marnette fordert "Zerschlagung des Stromoligopols"

In einem Brief an die Europäische Wettbewerbskommission hat der Chef des Hamburger Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie, Werner Marnette, die Zerschlagung des deutschen Stromoligopols gefordert. Er bemängelte, dass die deutschen Stromkosten um 30 bis 35 höher lägen als im EU-Durchschnitt.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Werner Marnette, Chef des Hamburger Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie, hat nach eigenen Angaben die EU in einem Brief an den EU-Wettbewerbskommissar aufgefordert, "das Stromoligopol in Deutschland zu zerschlagen". Der Brüsseler Energiekommissar habe ihm bereits zugesagt, dass es die EU nicht länger dulden werde, "dass sich Deutschland beim Strom zur Hochpreisinsel entwickelt", sagte Marnette in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". Die Norddeutsche Affinerie ist Europas größter Kupferhersteller.

Die deutschen Stromkosten würden um 30 bis 35 Prozent höher liegen als der EU-Durchschnitt. Der Strompreis an der Strombörse EEX habe sich innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt, während die Erzeugungskosten für Strom in Deutschland im Schnitt nur von etwa 22 Euro je Megawattstunde ölpreisbedingt auf 24 Euro gestiegen seien. Hier klaffe die Schere zwischen Strompreis und Erzeugungskosten dramatisch auseinander, so Marnette. In den vergangenen zwei Monaten sei der Preis nochmals um mehr als 10 Euro auf über 40 Euro gestiegen, was auf den Handel mit Emissionszertifikaten zurückzuführen sei.

Eine mögliche Rettung der Hamburger Aluminiumwerke schloss Marnette in dem Interview nicht aus. Grundvoraussetzung für eine Rettung sei allerdings der Strompreis. Es werde kein Investor einsteigen, wenn er nicht die Sicherheit habe, dass er einen annehmbaren Preis bekomme. "Wenn im Aluwerk die Lichter ausgehen, wird in der Wertschöpfungskette des Aluminiums in Deutschland ein riesiges Loch gerissen", warnte Marnette.