Ausweg Sonnenstrom

Mainzer Stadtwerke betreiben größte Photovoltaik-Anlage Afrikas

Solar-Energie für Kigali: Die Mainzer Stadtwerke betreiben in der ruandischen Hauptstadt die größte Photovoltaik-Anlage Afrikas. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck und Ruandas Präsident Paul Kagame haben die Anlage am vergangenen Donnerstag eingeweiht.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kigali (ddp/sm) - Die Pumpen für die Wasserversorgung der ruandischen Hauptstadt Kigali werden künftig mit Solarstrom betrieben. Zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und dem ostafrikanischen Staat weihten die Regierungschefs beider Länder, Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und Präsident Paul Kagame, am Donnerstag die Anlage auf dem 2000 Meter hohen Mont Jali bei Kigali ein. Sie wurde von der Juwi SolarGmbH aus Kirchheim-Bolanden im Auftrag der Mainzer Stadtwerke errichtet, die die Investitionskosten in Höhe von einer Million Euro tragen.

Mit einer Leistung von 250 Kilowatt ist die Anlage in etwa so groß wie die, die Juwi bereits auf dem Mainzer Bruchwegstadion installiert hat. Dennoch ist es den Angaben zufolge die bislang größte Solaranlage auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Sie soll pro Jahr etwa 325 000 Kilowattstunden Strom erzeugen, so viel wie rund 2000 ruandische Haushalte benötigen. Allerdings verfügen in Ruanda bislang nur rund fünf Prozent der Haushalte überhaupt über einen Stromanschluss.

Der Strom der Solaranlage soll nach den Worten des Vorstandschefs der Mainzer Stadtwerke, Hanns-Detlev Höhne, eine regelmäßige Energieversorgung der Pumpen sicherstellen, mit denen das Wasser aus der zentralen Aufbereitungsanlage in Kigali in die Stadtteile gepumpt wird. Derzeit werde dies mit teuren Dieselgeneratoren gemacht, für die der Kraftstoff über 1800 Kilometer per Lkw aus Kenia herangeschafft werden muss. Traditionell wird Strom in Ruanda mit Wasserkraft produziert. Infolge eines deutlichen Absinkens der Pegel in den Flüssen und Seen des Landes ist die Energieversorgung in den vergangenen Jahren allerdings in eine schwere Krise geraten.

Höhne sieht die Solarenergie hier als möglichen Ausweg, räumte allerdings ein, dass die Produktionskosten derzeit sogar noch leicht über denen der Dieselaggregate liegen. Im Gegensatz zu dem Solarprojekt in Kigali, das ohne Fördermittel auskommen muss, werde die Dieselverstromung in Ruanda derzeit von der Weltbank gefördert. Möglich war das Projekt in Kigali deshalb auch nur, weil die Mainzer Stadtwerke nicht nur die Investitionskosten alleine tragen, sondern überdies den Strom mit sechs Eurocent pro Kilowattstunde weit unter den tatsächlichen Kosten an den staatlichen Versorger Electrogaz verkaufen. Von den Einnahmen könnten so aber zumindest die laufenden Kosten gedeckt werden, sagte Höhne.

Staatspräsident Kagame bezeichnete die Errichtung der Anlage als wichtigen Schritt, da Ruanda den wachsenden Stromverbrauch seiner Wirtschaft derzeit nicht decken könne. Zudem sei die Solarenergie ein gutes Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Entwicklung ohne Umweltzerstörung einhergehen könne.

Höhne zufolge ist trotz der hohen Produktionskosten mittelfristig ein Ausbau des Solarprojekts auf ein Megawatt geplant. Die Hoffnung sei, durch die jetzt eröffnete Anlage doch noch finanzielle Unterstützung zu gewinnen. Daneben haben die Stadtwerke eigenen Angaben zufolge ein «50 Dächer Programm» für Ruanda ins Leben gerufen. Dabei sollen insgesamt 50 kleine Photovoltaikanlagen dezentral auf sozialen Einrichtungen in Dörfern installiert werden, die voraussichtlich noch längere Zeit ohne einen Anschluss an das zentrale Stromnetz auskommen müssen.