Angst um Gesundheit

Mainzer Kohlekraftwerk: Experten warnen vor Gefahren durch Feinstaub

Beim Erörterungstermin zum geplanten Mainzer Kohleheizkraftwerk haben am Montag Experten erneut eindringlich vor steigenden Gesundheitsgefahren durch das Projekt gewarnt. Wissenschaftler nannten die von der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) ermittelten Werte zum Feinstaubausstoß unrealistisch.

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Mainz (ddp-rps/sm) - Feinstaub verursache nachweislich Atemwegserkrankungen und Gefäßverengungen, durch eine Erhöhung der Werte seien mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle zu befürchten. Nach Angaben der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) soll das Kraftwerk weniger als 400 Tonnen Feinstaub im Jahr verursachen, Wissenschaftler aber gaben an, dass die wirkliche Belastung deutlich höher liegen werde.

Im öffentlichen Erörterungsverfahren zum auf der Ingelheimer Aue geplanten Kohlekraftwerk warnte der stellvertretende Leiter der Abteilung Hygiene und Umweltmedizin an der Mainzer Uniklinik, Michael Pietsch, auch vor einem möglichen kontinuierlichen Ausstoß krankheitserregender Keime in einem Radius von 1500 Metern durch den neuen Kühlturm. Ein Schwimmbadbetreiber aus dem angrenzenden Stadtteil Mombach befürchtete daraufhin Probleme für seine Anlage.

KMW soll Keimbelastung unterschätzt haben

Die KMW räumten auf Nachfrage ein, dass es ein Fachgutachten zu diesem Thema nicht gebe. Die Kraftwerksgegner warfen den KMW daraufhin vor, die Thematik der Keimbelastung völlig unterschätzt zu haben und forderten die Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Süd auf, ein Fachgutachten von der KMW zu diesem Thema einzufordern. Ein unabhängiges, professionelles Gutachten zum Thema Feinstaub forderte auch der Mainzer Kardiologe an der Uniklinik, Thomas Münzel. Mit 24 Mikrogramm pro Kubikmeter sei die Feinstaubbelastung in Mainz derzeit bereits sehr hoch, sagte Münzel. Die EU wolle aber zum Jahr 2010 die Feinstaub-Grenzwerte auf 20 Mikrogramm halbieren. Zugleich werde die Belastung der Region durch die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen weiter steigen.

Nach Angaben der SGD wurde zur Feinstaubproblematik ein Gutachten beim TÜV Rheinland in Auftrag gegeben. Den KMW zufolge liegt die Zusatzbelastung durch das Kraftwerk bei 0,07 Mikrogramm Feinstaub. KMW-Prokurator Bernard Fischer wies zudem die Darstellung zurück, das Kraftwerk werde negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Der Experte für Atmosphärenchemie am Mainzer Max-Planck-Institut, Mark Lawrence, kritisierte indes die Berechnungen der KMW als unrealistisch und nicht nachvollziehbar. Die KMW berechne ihren Wert lediglich innerhalb eines kleinen Radius und mit einem Modell ohne Windstille. Der Feinstaub-Wert werde daher mit mindestens 1,2 Mikrogramm deutlich höher liegen und die Feinstaubbelastung um rund zehn Prozent angehoben, sagte Lawrence.

Der Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, der Lungenarzt Michael Forßbohm, warf den KMW vor, nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu handeln, "nach dem Motto, wenn der Wind weht, haben wir kein Problem". Es sei aber egal, ob der Feinstaub in Mainz oder im Taunus niedergehe. "Auf dem Feinstaub reiten polyaromatisierte Kohlenwasserstoffe, Dioxine und Schwermetalle bis in die Lunge und weiter ins Blut", sagte Forßbohm. In der Folge sei eine deutliche Zunahme von Arteriosklerose, Gefäßstress, reizbedingtem Bluthochdruck, allergischen Atemwegserkrankungen und letztlich Herzinfarkte und Schlaganfälle zu befürchten.