Mehr Wettbewerb

Machtwort: Regulierer schafft einheitliches Datenformat

Die Bundesnetzagentur hat nach dem Scheitern freiwilliger Einigungsversuche des Markts einheitliche Geschäftsprozesse und Datenformate für die Belieferung von Kunden mit Elektrizität festgelegt. Damit werden erstmals detaillierte Marktregeln für Netzbetreiber und Lieferanten rechtsverbindlich.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Bonn (red) - Die neuen Regelungen sollen die Voraussetzungen für einen diskriminierungsfreien Netzzugang aller Netznutzer zu den Elektrizitätsversorgungsnetzen schaffen, erläuterte Matthias Kurth gestern bei der Vorstellung der neuen Regeln.

Seit der Liberalisierung des Strommarkts im Jahre 1998 habe sich die mangelnde Verbindlichkeit und vor allem die je nach Netzbetreiber unterschiedliche Ausgestaltung der Lieferantenwechselprozesse und des im normalen Geschäftsbetrieb anfallenden Informationsaustauschs als großer Hemmschuh für Lieferanten bei der netzgebietsübergreifenden Belieferung von Kunden erwiesen, erläuterte er die Initiative seiner Behörde. Man habe jetzt versucht, das Know-How der Marktteilnehmer in die Gespräche einzubeziehen und habe bei der Ausgestaltung der Geschäftsprozesse im Detail weitgehend den schon vorhandenen Konsens übernommen, hieß es weiter.

Mit dem Beschluss werden standardisierbare Geschäftsprozesse (vor allem Lieferantenwechsel, Ein- und Auszüge und Zählerstand-/ Zählwerteübermittlung) für alle Anbieter rechtlich verbindlich. Außerdem müssen alle Netzbetreiber bis August 2007 ein zum elektronischen Datenaustausch erforderliches, bundeseinheitliches Datenformat (EDIFACT) einführen. Die elektronische Ausgestaltung der Netznutzungsabrechung muss bis Oktober 2007 umgesetzt werrden.

Es ist den Unternehmen allerdings auch möglich, neben den standardisierten Geschäftsprozessen und Datenformaten abweichende Regelungen zu treffen. Derart soll sichergestellt werden, dass Fortschritte bei der Gestaltung der Geschäftsprozesse und deren Automatisation nicht an behördlichen Festlegungen scheitern. Auch können bestehende und funktionierende Sonderlösungen beibehalten werden. Nach Ablauf einer Übergangsfrist bis zum 1. Oktober 2009 müssen diese Sonderlösungen aus Gründen der Gleichbehandlung aber entweder allen Marktbeteiligten angeboten oder auf die Standardprozesse umgestellt werden.

Die EDNA-Initiative, eine Vereinigung von Unternehmen, sie sich seit Jahren für eine Verheitlichung der Geschäftsprozesse einsetzen, begrüßte den Beschluss und empfahl allen Unternehmen die Umsetzung zügig anzugehen. Nach Kenntnis der EDNA-Initiative sind Anpassungen, falls erforderlich, nicht mehr so gravierend, dass sie nicht während der Einführungsprojekte nachgezogen werden können. Hilfestellung für die Einführung der neuen EDIFACT-Formate bietet die EDNA-Initiative in Form der EDNA-Testmaschine und über die Mitwirkung in den entsprechenden Projektgruppen.

Auch der bundesweit tätige Stromanbieter LichtBlick zeigte sich erfreut. "Die heutige Entscheidung wird den Grundstein dafür legen, dass die jahrelange Willkür und Beliebigkeit im deutschen Strommarkt in Bezug auf Datenaustausch, Datenformate und Fristen ein Ende haben wird", kommentierte Heiko von Tschischwitz, LichtBlick-Geschäftsführer. "Nach Ablauf der Übergangsfrist im nächsten Jahr wird Schluss sein mit der Vielzahl von Individuallösungen von 900 deutschen Stromnetzbetreibern. Die regulatorische Vorgabe von Geschäftsprozessen ist Voraussetzung für eine automatisierte und Rechner unterstütze Datenverarbeitung. Sie wird weitere Effizienzgewinne und Kostenvorteile für die Kunden bringen. Wir werden auf die Einhaltung der heute verkündeten Geschäftsprozessdefinitionen bei allen Netzbetreibern bestehen."

Weiterführende Links
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