Wegen Stromausfall

Loewe prüft Anspruch auf Schadenersatz gegen E.ON

Der Fernsehgerätehersteller Loewe prüft nach dem Stromausfall vom vergangenen Wochenende Schadensersatzansprüche gegen den Stromkonzern E.ON. Grund seien Beeinträchtigungen der Produktion, schreibt die Zeitung "Euro am Sonntag". Der Schaden sei allerdings noch nicht beziffert.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

München (ddp/sm) - Das Unternehmen habe die Frühschicht am Stammwerk in Kronach gestrichen und die Mitarbeiter nach Hause geschickt. Sowohl der zentrale Server wie auch das Ersatzsystem seien durch die beiden Stromunterbrechungen am Samstagabend lahm gelegt worden. Dadurch seien 800 Fernsehgeräte weniger produziert worden. Der Ausfall soll durch Mehrarbeit wieder ausgeglichen werden.

Ein Firmensprecher sagte der Wirtschaftszeitung, eine Entscheidung über eine Klage stehe noch aus. Daher seien auch keine Angaben über die mögliche Forderungshöhe möglich. Erst vor wenigen Tagen hatten der Chemie-Konzern BASF sowie die Ahrnsberger Papierfabrik Cascades angekündigt, Schadensersatzforderungen gegen E.ON zu prüfen.

Nach Ansicht des Risikoforschers Lutz Cleemann müssen sich Verbraucher in Deutschland auf weitere Stromausfälle einstellen. "Ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden Jahren die Versorgung verschlechtern wird", sagte der Leiter des Zentrums für Technik beim Münchner Versicherungskonzern Allianz dem Nachrichtenmagazins "Focus". Es werde vermehrt zu Kurzunterbrechungen bei der Versorgung und zu längeren regionalen und überregionalen Stromausfällen kommen.

Als Grund nannte er zu geringe Investitionen ins Versorgungsnetz. "Die in Deutschland errichteten Kraftwerke und Verteilernetze wurden zu einem großen Teil vor 30 bis 40 Jahren errichtet. Sie erreichen in den kommenden Jahren das Ende ihrer Lebensdauer", erläuterte Cleemann. Für Instandhaltung, Modernisierung und Erweiterung seien jährliche Investitionen von drei Milliarden Euro nötig. Tatsächlich gäben die Stromerzeuger dafür derzeit aber weniger als eine Milliarde pro Jahr aus. Bis zum Jahr 2030 sehe er einen Investitionsbedarf von insgesamt 80 Milliarden Euro.

Cleemann riet den Verbrauchern, sich auf dieses Szenario vorzubereiten. "Jeder sollte sich fragen, was passiert, wenn der Strom tatsächlich einmal für mehrere Tage ausfällt: Was muss ich tun, um diese Zeit zu überstehen?", mahnte er.