LichtBlick und Greenpeace energy: Verband der freien Energiedienstleister hat einen Fehlstart hingelegt

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"Die Idee an sich ist gut, die Umsetzung ist allerdings mehr als enttäuschend." Harte Worte mit denen Gero Lücking, Leiter der Strombeschaffung und -versorgung des Hamburger Unternehmens "LichtBlick" seiner Enttäuschung Luft macht. Ebenso wie sein Kollege Heinz Laing von Greenpeace energy hatte er gestern die Gründungsversammlung des "Verbandes der freien Energiedienstleister" unter Protest vorzeitig verlassen.


Die Vorgeschichte: Anfang Februar hatten sich zahlreiche neue Stromlieferanten auf Initiative des strom magazins in Wetzlar getroffen. Dort fundamentierte sich die Idee, einen eigenen Verband zu gründen, "um mit einer Stimme zu sprechen und vereint gegen die Hindernisse anzukämpfen" (über Einzelheiten und Hintergründe berichtete das strom magazin bereits, bitte lesen Sie hier). Man einigte sich darauf, diesen Verband am 29. Februar in Berlin aus der Taufe zu heben. Eingeladen werden sollten zunächst einmal alle Teilnehmer der Veranstaltung in Wetzlar. Die Berliner Ares AG hatte sich bereit erklärt, die Organisation der Gründungsversammlung zu übernehmen und wollte vorab eine Art Satzung erstellen, die aber in Berlin noch einmal besprochen werden sollte.


Ende vergangener Woche dann erfuhr das strom magazin, das ebenfalls erst auf mehrmaligem Drängen hin eine Einladung zu der Gründungsversammlung bekommen hatte, dass einige der Teilnehmer in Wetzlar nicht nach Berlin eingeladen waren, beispielsweise der FHE-Entsorgungsverband, die TeleWatt international, der Zweitausend Stromvertrieb und die Zeus Strom AG. Und gestern wartete noch eine Überraschung auf die Teilnehmer: ein Vertreter von Yello wohnte der Versammlung bei. Aus diesem Grund empfanden die Vertreter von LichtBlick und Greenpeace energy, die beide zwar nicht an der Versammlung in Wetzlar teilgenommen hatten, aber starkes Interesse an der Mitgliedschaft in einem solchen Verband bekundeten, die Frage nach den Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft für angebracht. Denn um Interessenskonflikte zu vermeiden, sollte der Verband nur für die "wirklich freien" Anbieter ein Sprachrohr werden. "Es ist doch ganz klar, dass ein Unternehmen wie Yello, das selbst Tochter eines Netzbetreibers ist, ganz andere Interessen vertritt als Greenpeace energy oder ein anderes neues und kleines Unternehmen auf dem Markt", sagte Greenpeace energy Vorstand Heinz Laing im Gespräch mit dem strom magazin. Aber schon nach kurzer Zeit war klar, dass "eine Diskussion über verschiedene Satzungspunkte nicht erwünscht war". Auch Gero Lücking (LichtBlick) ist überzeugt: "Die Satzung sollte innerhalb kürzester Zeit durchgepeitscht werden". Die Art und Weise der Diskussion war Lücking unverständlich. Fragen wurden von Teilnehmern patzig beantwortet, die sich dazu nicht einmal hatten auf die Rednerliste setzen lassen. Generell nahm das Ganze einen "eher unerfreulichen Verlauf", so Lücking weiter. Eine sachliche Beantwortung der Fragen hätte man ja wenigstens erwarten können. Auch Ralph Pillar, Zeus Strom AG Hamburg, bedauert den Verlauf der Versammlung: "Der Alleingang einiger Unternehmen ist enttäuschend. Ausgrenzung kann nicht der Sinn eines solchen Verbandes sein. Schade.", sagte er in einem Telefongespräch mit dem strom magazin. Er hatte sich - ebenso wie das Berliner Unternehmen "astromo.de" - dafür entschieden, dem Verband nicht beizutreten.


Mitten in der Diskussion wurde dann vorgeschlagen, die Runde auf die sieben "Beitrittswilligen" zu reduzieren. Da den anderen Teilnehmern damit quasi das Wort abgeschnitten wurde, entschlossen sich sowohl Gero Lücking als auch Heinz Laing dazu, die Versammlung zu verlassen. Sie verpassten somit die Gründung des Verbands freier Energiedienstleister (das strom magazin berichtete gestern Abend). "Der Verband hat einen Fehlstart hingelegt, wie man ihn nicht besser hinkriegen kann. Wir sind keine Verbandsmeier und werden die Verhandlungen mit den Netzbetreibern jetzt auch weiterhin erfolgreich alleine führen", resümiert Gero Lücking die Ereignisse. "Der Verband ist ein totgeborenes Kind und tut der Sache keinen Dienst", sagt auch Heinz Laing. Schade - denn die Intention war gut. Bleibt also abzuwarten, was ein solcher Verband erreichen kann, wenn er noch vor seiner Gründung wichtige Mitglieder vergrault.


Annika Krisp