Abenteuerlich?!

Leukämie in der Elbmarsch: Bürgerinitiative vermutet Atomunfall vor 20 Jahren

15 Jahre nach der Aufdeckung häufiger Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch spekulieren Wissenschaftler weiter über die möglichen Ursachen. Am Freitag präsentierten sie in Berlin die nach ihrer Ansicht plausibelste Ursache: Ein Atomunfall in der Kernforschungsanlage GKSS in Geesthacht vor 20 Jahren.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Insgesamt 15 Kinder erkrankten seit 1989 in der Umgebung der Atomanlagen an der schweren Blutkrankheit, wie aus dem Deutschen Krebsregister hervorgeht. Ein längerer Brand habe gefährliches Material als Feinstaub freigesetzt, sagte nun der niedersächsische Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch, Uwe Harden (SPD). Seit Dezember 2004 seien neue Bodenproben genommen und ausgewertet worden, sagte Harden.

Inge Schmitz-Feuerhake, damals Mitglied in der mit dem Fall betrauten Leukämiekommission, sagte, in den neuen Proben hätten sich "Kügelchen" mit angereichertem Uran und große Mengen verschiedener Thoriumisotope in nicht natürlicher Zusammensetzung befunden. Die erhöhte Thorium-Konzentration könne die Leukämie-Erkrankungen verursacht haben.

Das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium wies die Behauptung eines Atomunfalls als "geradezu abstrus und abwegig" zurück. Weder bei der GKSS noch beim Kernkraftwerk Krümmel habe es 1986 eine Explosion oder einen Brand gegeben, bei denen Radioaktivität hätte freigesetzt werden können. "Es ist ungeheuerlich und menschenverachtend, auf der Basis reiner Spekulationen mit dieser längst widerlegten Behauptung die Angst der Menschen erneut zu schüren", sagte eine Sprecherin.

Auch die FDP-Umweltexpertin Christel Happach-Kasan bezeichnete die Vorwürfe der Bürgerinitiative als unseriös. In umfangreichen und unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen sei festgestellt worden, dass ein Zusammenhang zwischen den Leukämie-Fällen und dem Atomkraftwerk nicht bestehe, sagte Happach-Kasan, die von 1992 bis 2002 Abgeordnete des schleswig-holsteinischen Landtags war und sich mit dem Fall intensiv befasst hat. Die FDP-Politikerin sprach von einem seit Jahren anhaltenden "Glaubenskrieg". Zwar gebe es in der Region ein "Leukämie-Cluster". So seien Anfang der 90er Jahre mehrere Kinder dort an Blutkrebs erkrankt. Es sei auch richtig, solche Fälle zu untersuchen. Wenn die Untersuchungen aber über Jahre hinweg nichts ergäben, müsse dies irgendwann auch akzeptiert werden, sagte Happach-Kasan.

Von David Rollik