Aufräumarbeiten fortgesetzt

Letzter Verunglückter nach Unfall auf RWE-Baustelle geborgen

Der letzte der drei Toten von Grevenbroich-Neurath ist nach tagelanger Rettungsarbeit geborgen worden. Mehr als 48 Stunden nach dem Unfall auf der Großbaustelle des neuen RWE-Kraftwerks konnte der dritte tote Arbeiter erreicht werden und wurde am frühen Samstagabend abtransportiert.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Grevenbroich (ddp-nrw/sm) - Der Tote hatte seit Donnerstag auf einem Stahlgerüst in 70 Metern Höhe gelegen. Unterdessen wurden die Aufräumarbeiten auch am Sonntag fortgesetzt. Die beiden anderen bei dem Unfall ums Leben gekommenen Arbeiter waren am Freitag geborgen worden. Bei den Toten handelt es sich um zwei Montagearbeiter aus der Slowakei im Alter von 32 und 35 Jahren sowie einen 25-Jährigen aus der Tschechischen Republik. Der dritte Leichnam war wegen der Gefahr herabstürzender Metallteile für die Rettungskräfte besonders schwer zu erreichen gewesen.

Unter Aufsicht von Staatsanwaltschaft und Sachverständigen wurden am Samstag von einem Kran mechanische Trägerteile und Gerüstelemente herabgelassen und Spuren gesichert. Wie es zum Einsturz des Hilfsgerüsts zur Errichtung eines Großkessels kommen konnte, ist weiterhin völlig unklar.

Laut RWE hatte sich am Donnerstag gegen 16.50 Uhr eine sogenannte Seitenwandbandage, ein Teilstück des Großkessels des Kraftwerks, gelöst und war zu Boden gestürzt. Die herabstürzenden Gerüstteile zum Bau des Kraftwerkskessels verschütteten mehrere Arbeiter.

Nach Angaben des Polizeisprechers gibt es "derzeit keinerlei Hinweise, dass wir von weiteren vermissten Personen ausgehen müssen". Dennoch würden die Bergungs- und Aufräumkräfte bei der Sicherung der Unglücksstelle weiter suchen.

Als Folge des schweren Unfalls werde sich der Bau des modernsten europäischen Braunkohlekraftwerks um mindestens drei bis fünf Monate verzögern, berichtete am Samstag das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab. Nach dem Unglück müssten neue Gutachten über die Statik der gesamten Konstruktion eingeholt werden. Wegen der Zeitverluste rechne der RWE-Konzern mit Schäden in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe.

Ende 2009 sollte der erste Kraftwerksblock in Betrieb gehen. Die Baukosten für das Braunkohlekraftwerk belaufen sich laut RWE auf 2,2 Milliarden Euro. Das Projekt galt als eines der modernsten Kraftwerksbauten des Essener Energiekonzerns. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU) war im August 2006 der Grundstein für das Bauwerk gelegt worden.

Unterdessen hat Rüttgers die Verstromung der Braunkohle verteidigt. "Bei aller Tragik des Unglücks bleiben die neuen Kraftwerke für eine sichere, preiswerte und umweltfreundliche Energieversorgung notwendig", sagte er der "Rheinischen Post". Die Sicherheitsauflagen beim Bau müssten aber vollständig eingehalten werden. Rüttgers zeigte sich überzeugt davon, dass alle am Bau Beteiligten höchste Sorgfalt walten lassen, damit sich ein derartiges Unglück nicht wiederhole. Das Ausmaß der Tragödie habe ihn sehr betroffen gemacht.