Kein Optimismus

Lage in japanischen Reaktoren bleibt weiterhin kritisch

In der havarierten Nuklearanlage in Fukushima-Daiichi ist die Lage weiterhin kritisch. Im Reaktor 1 ist der Wasserpegel nach Angaben der japanischen Atomaufsicht NISA inzwischen derart niedrig, dass er von den Messgeräten nicht mehr eindeutig erfasst werden kann.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Tokio (dapd/red) - "Es ist dort zu wenig Wasser vorhanden", sagte eine NISA-Sprecherin der Nachrichtenagentur dapd am Freitagmorgen. An einer Stelle der Anlage liegt der ermittelte Wasserstand jetzt unterhalb der Messbarkeit, erklärte die NISA-Sprecherin.

In den Reaktoreinheiten 2 und 3 lägen die Brennstäbe auf 1,40 Meter beziehungsweise auf bis zu 2,30 Meter Länge frei. Die von der Sprecherin genannten Daten sind um acht Uhr Ortszeit (Mitternacht Mitteleuropäischer Zeit) gemessen worden. Neuere Meldungen sprechen davon, dass die Kühlversuche an Reaktor 3 anscheinend erfolgreich sind. Was passiert, wenn Kernbrennstäbe frei liegen, hatte der britische Atomexperte Shaun Burnie bereits vor einigen Tagen erklärt: "Die Brennstäbe schwellen auf und schmelzen, wenn sie nicht gekühlt werden", sagte Burnie der Nachrichtenagentur dapd.

Ebenfalls besorgniserregend ist der Temperaturanstieg in den Abklingbecken der Reaktoren 5 und 6. Nach Messungen von heute Morgen war die Temperatur in Block 5 im Vergleich zur Messung acht Stunden zuvor von 62,7 auf 65,9 Grad Celsius gestiegen. In Einheit 6 wurden nach zuvor 60 Grad Celsius nun 63 Grad gemessen. "Es liegt nahe, dass es auch hier zu Kühlungsproblemen gekommen ist", sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. "Würden hundert Grad erreicht, wäre es gefährlich, weil dann das Wasser verdampft." Auch hier drohten dann Brennstäbe freizuliegen, sagte Riedl.

Zu dem seit Tagen mit wachsender Besorgnis beobachteten Abklingbecken in Reaktor 4 sagte die NISA-Sprecherin: "Ich kann bestätigen, dass dort noch Wasser im Pool ist." Daten zum exakten Wasserstand konnte sie allerdings nicht nennen. Zur besonders bedrohten Einheit 3 werden nach Angaben des Fernsehsenders NHK derzeit sieben Löschfahrzeuge geschickt. Sie sollen das Abklingbecken mit insgesamt 50 Tonnen Wasser füllen, um auch dort die vom Freiliegen bedrohten Brennstäbe zu kühlen. Ähnliche Maßnahmen am Donnerstag waren erfolglos geblieben.

Techniker konnten mittlerweile eine Stromleitung legen, durch die ab Samstag wieder Strom zu den Reaktoren 1 und 2 fließen könnte. Inzwischen hat Japan den Unfall auf Kategorie fünf von sieben hochgestuft. Nach internationalem Ermessen hat der Störfall bereits die Stufe 6 erreicht.