Kernschmelze droht

Lage in Fukushima verschlimmert sich weiter (Upd.)

Im japanischen AKW Fukushima soll es eine weitere Explosion gegeben haben. Nachdem es im Reaktor 4 gebrannt habe, klafften zwei große Löcher in der Außenwand. Inzwischen soll sogar das Kühlwasser kochen. Nun sei die Strahlenbelastung im Meiler so hoch, dass alle verbliebenen Arbeiter sofort gehen müssten.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin/Paris (dapd/red) - In der japanischen Atomanlage Fukushima-Daiichi wächst offenbar die Bedrohung durch alten Kernbrennstoff in den Abklingbecken. Erst durch den Brand in Reaktor 4 der Anlage wurde bekannt, dass die Abklingbecken auch in den bereits explodierten Reaktoren 1, 2 und 3 außerhalb der wahrscheinlich noch intakten Schutzhüllen (Containment) liegen. Zudem ist jetzt offenbar auch die innere Hülle von Reaktor 2 beschädigt. Unterdessen hat der Präsident der Französischen Atomsicherheitsbehörde, André-Claude Lacoste, den Unfall in Japan auf die zweithöchste Stufe 6 hochgestuft. Die Lage scheint zunehmend außer Konteolle zu geraten.

Brand in Reaktor 4

"Nach meinen Informationen befinden sie sich zwischen dem vierten und fünften Stock des Reaktorgebäudes", sagte Atomexperte Mycle Schneider, der mehrfach als Gutachter für Kernkraftanlagen in Japan war. "Nach den Explosionen der Hüllen liegen sie damit offenbar frei."

Es sei nicht bekannt, in welchem Zustand sich die Becken befinden, in denen die alten Brennstäbe gekühlt werden. Nach Schneiders Informationen liegen 50, 81 und 88 Tonnen alte Brennstäbe in den Becken der Reaktorgebäude 1 bis 3. "Die sind wahnwitzig heiß, die müssen mehrere Jahre abklingen und abkühlen, bevor man sie überhaupt nur in einen Castor-Behälter laden kann", sagte Schneider der Nachrichtenagentur dapd.

Selbstentzündung der alten Brennstäbe droht

Nach Meldungen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo soll das Wasser im Abklingbecken von Reaktor 4 bereits "kochen". Der Wasserstand soll sinken. "Das könnte darauf hinweisen, dass auch dort das Kühlsystem beschädigt ist oder dass es ein Leck gibt", sagte Schneider. Falls die Kühlung komplett versagt, drohe die Selbstentzündung der alten Brennstäbe.