Ankunft

Längster Castor-Transport der Geschichte beendet

Die elf mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atommüll beladenen Castoren sind alle im Zwischenlager Gorleben eingefahren. Um 9.52 Uhr hatte der letzte Tieflader die Einfahrt passiert. Dieser Castor-Transport hat so lang gedauert wie keiner zuvor - und der massive Widerstand könnte noch ein Nachspiel haben.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Gorleben/Köln (dapd/red) - Nach etwa 92 Stunden ging der längste Castor-Transport von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins niedersächsische Gorleben zu Ende. Der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2008 hatte gut 79 Stunden betragen.

Bereits der Widerstand gegen den Schienentransport der Castoren zur Verladestation Dannenberg hatte Rekorde gebrochen. Mit einer Beteiligung von zeitweise bis zu 5.000 Besetzern gab es nach Angaben des Sprechers der Initiative "ausgestrahlt", Jochen Stay, die bislang größte Sitzblockade auf Schienen bei einem Atommülltransport ins niedersächsische Gorleben. Insgesamt sei der Streckenabschnitt westlich von Hitzacker zudem rund 20 Stunden besetzt gewesen, ebenfalls ein Rekord.

Unterdessen forderte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, eine politische Diskussion über die Begleitumstände des massiven Widerstands gegen den Castor-Transport. Dabei müsse geklärt werden, ob dieser "massenhaft zelebrierte Rechtsbruch, der da geschieht, auch tatsächlich die Form des Protestes ist in einem Rechtsstaat, die wir haben wollen", sagte Wendt am Dienstag im RBB-Inforadio. Zudem solle analysiert werden, ob der Angriff auf die Funktionsfähigkeit der Polizei tatsächlich in dieser Weise hingenommen werden könne.

Wendt kritisierte als ein Beispiel die Aushebelung des Bundesrats bei der Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke: "Das kommt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, im übrigen auch bei den Polizisten, als Taschenspielertrick an, um ein wichtiges Verfassungsorgan auszuhöhlen." Der Polizeigewerkschafter kritisierte, im Anschluss daran stelle sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor die Kameras und sage, "wir haben die Mehrheit, ihr habt das gefälligst zu akzeptieren, am besten noch klaglos. So kann man Politik nicht vermitteln." Genau das schüre den Zorn der Bevölkerung.

Man müsse auch mit der Protestbewegung darüber diskutieren, ob es noch Ausdruck demokratischen Protests sei, wenn die Funktionsfähigkeit und die Nachschubwege der Polizei angegriffen würden, sagte Wendt im Deutschlandfunk. Die Demonstrationen seien "zu einem Ritual geworden". Die Polizei könne nicht länger mit ihrer Gesundheit dafür einstehen.

Zuvor hatte bereits die Bundespolizeigewerkschaft (bgv) über zu starke Belastungen während des Castor-Transports geklagt. Vorsitzender Rüdiger Reedwisch teilte am Montag mit, die Grenze der Belastung für die Einsatzkräfte sei eindeutig überschritten, zumal die meisten schon für das kommende Wochenende zu neuen Einsätzen verpflichtet worden seien.

Reddwisch führte die Belastung der Bundespolizei - sie hieß bis Mitte 2005 Bundesgrenzschutz - auch darauf zurück, dass "überall Stellen für Polizisten hirnlos gestrichen werden und Pseudo-Sicherheit vorgegaukelt wird". Außerdem kritisierte der Gewerkschaftschef, dass das Bundesinnenministerium "erstmalig den Abbau von bis zu 1000 Stellen bei der Bundespolizei" plane. Das müsse angesichts der "ungeheuerlichen Belastungen" umgehend gestoppt werden.