Neues Gutachten

Längere Laufzeiten verbilligen Strom nicht merklich

Die von der Bundesregierung angestrebte Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atomkraftwerke wird einer neuen Studie zufolge die Stromkosten der Verbraucher nicht spürbar beeinflussen. Mit vorgeblich deutlich sinkenden Strompreisen werben die Verfechter von längeren Atomlaufzeiten - möglicherweise zu Unrecht.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (red)– Bleibt es bei dem gesetzlich festgelegten Atomausstieg bis 2022, erhöhe sich der Strompreis um voraussichtlich 0,3 Cent pro Kilowattstunde. Da die Strompreise aber täglich erheblich schwanken, falle dieser ohnehin geringfügige Effekt praktisch nicht ins Gewicht. Die von der Bundesregierung angekündigte Brennelementesteuer lasse die Kosten für Atomstrom hingegen steigen - was indes unter Experten umstritten ist. Dies ergibt eine Studie der LBD-Beratungsgesellschaft im Auftrag des Ökostromanbieters LichtBlick.

Atomkraft lässt Strompreise wohl nicht sinken

"Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke entlasten nicht die Bürger, sondern füllen die Kassen der Atomkonzerne", erklärt Dr. Christian Friege, Vorstandsvorsitzender der LichtBlick AG. Der Versuch, Wähler für Atomkraft zu gewinnen, indem man ihnen sinkende Strompreise verspreche, sei unredlich. Zudem verzögerten längere AKW-Laufzeiten die Modernisierung des Kraftwerkparks. Besonders klimaschädliche Kohlekraftwerke blieben länger am Netz.

Wettbewerb entscheidend für günstige Strompreise

Entscheidend für die künftige Entwicklung der Strompreise ist der Wettbewerb, so das Gutachten weiter. Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke kämen lediglich den großen Konzernen zugute. Das von LichtBlick vorgelegte Gutachten kritisiert eine Anfang des Jahres vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) veröffentlichte Studie. Darin behaupten die Autoren, Haushalte würden durch eine Laufzeitverlängerung deutlich sparen können. Damit würde aber der Einfluss der Atomkraft deutlich überschätzt, so die neue Untersuchung.