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AtomdebatteDie von Schwarz-Gelb angestrebten längeren AKW-Laufzeiten wären einem Gutachten zufolge wegen der ungeklärten Entsorgung des Atommülls rechts- und verfassungswidrig. Der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hält daher die Atompolitik von Schwarz-Gelb für verantwortungslos.
Berlin (afp/red) - Ein Rechtsgutachten, das die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Donnerstag in Berlin vorstellte, kam zu dem Ergebnis, dass angesichts der ungelösten Entsorgungsfrage "nicht mehr Atommüll erzeugt werden darf, als im Rahmen des Atomausstiegs festgelegt wurde". Der Atomkonsens aus dem Jahr 2001 über die Begrenzung der Restlaufzeiten sei auch deshalb vereinbart worden, weil für die Entsorgung abgebrannter Brennelemente kein Endlager zu Verfügung stand, erklärte DUH-Geschäftsführer Rainer Baake.
Mit dem Atomkonsens habe der Gesetzgeber damals abgewogen zwischen den Schutzpflichten des Staates für seine Bürger und den Eigentumsrechten der Betreiber von Atomkraftwerken. "Wenn der Staat jetzt unter dem Druck der Konzerne ohne Not eine Laufzeitverlängerung beschließt, verletzt er seine Schutzpflichten, indem er die Produktion von zusätzlichem Atommüll ohne geeignete Entsorgungsmöglichkeit zulässt", erklärte Baake. Das marode Endlager Asse zeige, dass bereits der Versuch gescheitert sei, schwach- und mittelaktive Atomabfälle dauerhaft zu entsorgen. Für die Entsorgung von hochradioaktivem Abfall gebe es nach wie vor keine belastbare Perspektive, kritisierte der frühere Grünen-Politiker.
SPD-Chef Sigmar Gabriel übte angesichts des Gutachtens scharfe Kritik an der schwarz-gelben Regierung: "Wer längere Laufzeiten für alte Reaktoren durchsetzen will, ohne eine Lösung für die Lagerung hochradioaktiven Atommülls zu haben, handelt verantwortungslos." Er warnte zugleich die schwarz-gelbe Regierung davor, die Kosten für die Asse-Sanierung dem Steuerzahler aufzubürden: "Die vier großen Atomkonzerne müssen als Verursacher des Asse-Debakels die Kosten über eine Kernbrennstoffsteuer tragen." Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte am Mittwoch die Kosten für die Rückholung der Asse-Abfälle mit 3,7 Milliarden Euro angegeben. Er verwies auch auf eine mögliche Kostenbeteiligung der Energieversorgungsunternehmen, dafür gebe es aber keine Rechtsgrundlage.
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Die Rückholung der Atommüll-Fässer aus dem maroden und einsturzgefährdeten Atomendlager Asse wird Schätzungen zufolge rund 3,7 Milliarden Euro kosten. Umweltminister Röttgen will die großen Energiekonzerne an den Kosten beteiligen, allerdings gibt es keine Rechtsgrundlage für eine solche Haftung.
Die Ökostrombranche in Deutschland lehnt eine mögliche Milliarden-Förderung ab, die ihr die Bundesregierung durch eine geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in Aussicht stellt. "Wir brauchen das Geld nicht", sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Dietmar Schütz, dem "Tagesspiegel".
Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) hält es für möglich, dass das Atomkraftwerk Biblis A noch mindestens zehn Jahre lang Strom liefert. Die SPD warf ihr daraufhin "Ignoranz in Sicherheitsfragen" vor. Die Grünen warfen der Ministerin vor, sich nur die finanziellen Interessen des AKW-Betreibers RWE einzusetzen.
Der Streit über die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke nimmt an Schärfe zu. Für neuen Zündstoff sorgt ein Bericht des "Spiegel", wonach die Bundesregierung alle 17 noch laufenden Atommeiler im Land vorerst weiter am Netz halten will, auch die Uraltmeiler Biblis A und Neckarwestheim 1. SPD und Grüne reagierten empört.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dringt auf eine baldige Einigung über längere AKW-Laufzeiten. "Wir wollen Klarheit haben bis zur Sommerpause", sagte Brüderle am Donnerstag in der Haushaltsdebatte im Bundestag. Im Herbst werde sein Haus dann das angekündigte Energiekonzept, einen "ganzheitlichen Ansatz", vorlegen.Strompreise vergleichen
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