Gutachten

Längere AKW-Laufzeiten drücken Strompreise offenbar kaum (Upd.)

Das schon jetzt umstrittene EWI-Gutachten sagt einem Pressebericht zufolge aus, dass längere AKW-Laufzeiten nur einen geringen Einfluss auf die Höhe der Strompreise hätten. Atomkraftgegner haben der Regierung vorgeworfen, das von ihr bestellte Gutachten zu künftigen Energieszenarien und längeren AKW-Laufzeiten manipuliert zu haben.

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Berlin/Düsseldorf (afp/ddp/red) - Das von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Gutachten zur Energiepolitik hält einem Medienbericht zufolge längere Laufzeiten für Atomkraftwerke für verzichtbar. Wie das "Handelsblatt" (Freitagsausgabe) unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, ergibt sich aus den Szenarien, dass ein Verzicht auf eine Verlängerung der Laufzeiten weder nennenswerten Einfluss auf die Strompreise noch auf die Versorgungssicherheit hätte. Ohne eine Verlängerung der Laufzeiten seien zwar massive Stromimporte aus dem benachbarten Ausland erforderlich. Es ergebe sich jedoch kein zwingender Grund für eine Verlängerung, berichtete das Blatt. Allerdings würde eine Verlängerung der Laufzeiten den Energieverbrauch stärker senken.

Das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln (EWI) und weitere Experten wollten der Bundesregierung am Freitag ihr Gutachten über die Auswirkungen einer Verlängerung von Akw-Laufzeiten vorlegen. Über die Unabhängigkeit des Gutachtens wird längst heftig gestritten. Atomkraftgegner sprachen von Manipulation. "Wir kritisieren die Auswahl der Gutachter, denn wer von Eon und RWE bezahlt wird, kann nicht neutral sein", erklärte der Sprecher der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, am Freitag in Berlin. Zudem würden die Ergebnisse dadurch die vorgegebene Annahme verfälscht, dass bei einem Atomausstieg auch keine Anstrengungen für einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien mehr erfolgen würden.

Stay bezog sich bei seiner Kritik an der Auswahl der Gutachter auf Medienberichte zu Verflechtungen des von der Regierung beauftragten Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) mit Akw-Betreibern. So berichtete Spiegel Online am Freitag, die Stiftungsprofessur des Leiters des EWI, Marc Oliver Bettzüge, werde von den Stromkonzernen RWE, Eon und Vattenfall mitfinanziert. Zuvor hatte bereits die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, auch das EWI selbst habe Geld von RWE und Eon erhalten. Bettzüge hatte sich zudem im Juni in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" für ein Festhalten an der Atomkraft ausgesprochen.

Laut Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans sollten die Gutachten am Freitagnachmittag an die zuständigen Ministerien übergeben werden. Das Umwelt- und das Wirtschaftsressort würden die Papiere dann über das Wochenende intern auswerten und besprechen, sagte Steegmans am Freitag in Berlin. Zum Wochenbeginn sei geplant, dass sich die Ressortchefs öffentlich äußern "und die Szenarien auch zur Verfügung stellen". Wann und in welcher Form, sei noch unklar.

Zum Inhalt der Gutachten äußerte sich Steegmans nicht. "Es sind keinerlei Details zu mir durchgedrungen", betonte er. Auch zu den diskutierten Belastungen der Atomindustrie machte er keine Angaben. Dem Energiekonzept könne er nicht vorgreifen. Dies will die Koalition auf Basis der Gutachten bis Ende September erarbeiten. Der Kabinettsbeschluss ist für den 28. September angesetzt. Die Szenarien seien "Grundlage und Hilfestellungen, aber nicht das Energiekonzept selbst", stellte Steegmans klar.

Quelle: AFP