Mediterrane Entwicklung

Kyoto-Feature: Beunruhigende Auswirkungen des Klimawandels

Der Ausstoß von Treibhausgasen hat nach Angaben der Klimaforscher weltweit die Durchschnittstemperatur im letzten Jahrhundert um 0,7 Grad angehoben, in Deutschland sogar um 0,9 Grad. Diese beunruhigende "mediterrane" Entwicklung muss unbedingt gestoppt werden, da sind sich Forscher und Politik einig.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/sm) - Werden über dem Schwarzwald bald Papageien ihre Bahnen ziehen? Diese provokante Frage stellte angesichts der zunehmenden Erderwärmung der Direktor des Max-Planck-Institutes für Ornithologie, Peter Berthold. Der Ausstoß von Treibhausgasen hat nach Angaben der Klimaforscher weltweit die Durchschnittstemperatur im letzten Jahrhundert um 0,7 Grad angehoben, in Deutschland sogar um 0,9 Grad.

Kohlendioxid der Luft stieg seid 1750 um 31 Prozent

Seit den Anfängen der Industrialisierung 1750 ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen der Kohlendioxid-Gehalt an der Luft um 31 Prozent gestiegen. Der größte Teil der Erwärmung in den letzten Jahrzehnten ist nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen auf menschliche Eingriffe zurückzuführen - vor allem auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas.

In Deutschland bahnt sich eine "mediterrane Entwicklung" an, die sich schon markant bei den Vögeln abzeichnet: So brechen Stare, Rauchschwalben und Mauersegler bis zu sechs Wochen später in ihre Winterquartiere im Mittelmeerraum auf und sie kommen früher zurück. Die "Zeichen" der Tiere werden von den Forschern als "gefährlich für die Klimaumwandlung" gedeutet.

Kohlendioxid bedroht "Schützhülle" der Erde

Kohlendioxid steigt aus Schornsteinen, Auspuffrohren und anderen großen Abgabequellen in die Atmosphäre auf und verdichtet dort die Schutzhülle der Erde. Weniger Wärme kann ins Weltall zurückgestrahlt werden. Nicht nur die Umwelt und die Tiere, sondern auch die Menschen wandeln sich durch den Einfluss des Treibhauseffekts. Die Forscher stellen eine "immer größere Aggressivität" unter den Menschen fest. Die Naturkatastrophen - Überschwemmungen und Dürrezeiten - nehmen zu. Die Umweltpolitiker und Umweltschützer wollen mit dem Kyoto-Protokoll, das jetzt in Kraft getreten ist, gegensteuern.

Schon Napoleon war von der Erforschung der Lufthülle der Erde fasziniert. Er ernannte seinerzeit den französischen Mathematiker Jean Baptiste Joseph Fourier zum Baron, als dieser aus seinen Berechnungen der Atmosphäre schloss, dass die Erde wärmer ist, als sie aufgrund der Sonneneinstrahlung eigentlich sein dürfte. Die Lufthülle wirke wie eine Art Warmhaltepackung.

Ratsam wäre eine Verringerung um 50 Prozent

Faszinierend war die Vorstellung, dass etwas Unsichtbares wie Luft einen Schutzwall gegen die Kälte aus dem All bildet. Lange pflichteten die Wissenschaftler auch dieser These bei. Sie glaubten, mehr Kohlendioxid sei ein Segen für die Menschheit und biete großen Schutz für die Erde vor dem frostigen Weltall. Es war ein langer Weg, bis die Menschen zu der Erkenntnis kamen, sie könnten unter der Erwärmung der Erdatmosphäre auch "ersticken".

Für die Klimaforscher hat die Verpflichtung des Kyoto-Protokolls, den Ausstoß von sechs Treibhausgasen bis 2012 um 5,2 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, nur symbolischen Wert. Sie halten eine Reduzierung von mindestens 50 Prozent für nötig, um die Wärmewelle abzuschwächen.

Der "Aspen Board", eine Umweltinitiative der 70 größten Versicherer und Rückversicherer der Welt, erklärte 1998 in einem Report: "Naturkatastrophen von bisher unbekannten Dimensionen stehen der Welt bevor". Grund dafür sei die ansteigende Erderwärmung. Durch Extremwetter bedingte Naturkatastrophen würden bereits 85 Prozent aller weltweiten Versicherungsschäden ausmachen.

Von ddp-Korrespondent Friedrich Kuhn