"Keine Gefahr für Leib und Leben"

Krümmels Nachbarn: Anwohner geben sich gelassen

Direkt in der Nachbarschaft des nach einer Pannenserie in die Schlagzeilen geratenen Atomkraftwerkes Krümmel leben fast 30.000 Menschen. Viele Fragen sich, ob sie in den vergangenen Wochen alles erfahren haben, was dort vorgefallen ist. Angst haben die meisten dagegen nicht.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht (ddp/sm) - Nicht wenige schwärmen von dem Ort, der von Wiesen, Wäldern und einer Binnendünenlandschaft umgeben ist. Ganz in der Nähe thront im Ortsteil Krümmel jener Atommeiler, der den Ort seit drei Wochen nicht zur Ruhe kommen lässt. "Ich mache mir schon Sorgen darüber, ob wir alles erfahren, was dort vorgefallen ist", sagt eine Bewohnerin. Angst habe sie allerdings nicht. Ein Mann stimmt ihr zu: "Ich fühle mich sicher hier, auch wenn die Informationspolitik von Vattenfall alles andere als glücklich verlaufen ist."

Bernd Burmester wohnt seit seiner Geburt 1953 in Krümmel und kennt die immer wiederkehrende Diskussion um den direkt an der Unterelbe gelegenen Siedewasserreaktor. "Die Sache" solle nicht so aufgebauscht werden, es habe "nur ein Transformator gebrannt, mehr nicht", sagt er und schränkt dann ein: "Vorausgesetzt, das stimmt, was in den Zeitungen steht."

Auch Krümmel-Bewohner Dieter Ruhnke sieht "keine Gefahr für Leib und Leben" durch den Atommeiler. "Die Leute hier gehen eher gelassen damit um und sehen das alles nicht so verbissen", sagte der 66-Jährige. Schließlich seien die Störfälle erst aufgetreten, als der Reaktor erfolgreich abgeschaltet worden sei. Abgesehen davon habe jedes Kraftwerk einen Transformator, was habe das also mit der Sicherheit zu tun?

Eine junge Mutter glaubt hingegen, dass die Bewohner von Krümmel die aktuellen Vorfälle verdrängen. Immerhin zähle Vattenfall mit rund 350 Arbeitsplätzen im Kraftwerk und weiteren Jobs in Zulieferbetrieben zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. Sie hoffe, dass der Betreiber aus seinen Fehlern gelernt habe und für künftige Fälle gewappnet sei.

Im angrenzenden Ortsteil Grünhof-Tesperhude begrüßt ein Spaziergänger den Rücktritt von Bruno Thomauske, Chef der deutschen Atomkraft-Sparte bei Vattenfall Europe, als ersten richtigen Schritt: "Er stand für die misslungene Informationspolitik." Nun müsse "alles auf den Tisch" gelegt und der Bürger "über das wahre Ausmaß" aufklärt werden.

Ein junger Mann aus Avendorf ist da kritischer: "Wenn wir schon bei einem Trafo-Brand nur häppchenweise informiert werden, was ist erst, wenn es zu einem tatsächlichen Störfall kommt? Lässt man uns dann gänzlich im Dunkeln?"