Teurer Stillstand

Krümmel und Brunsbüttel bleiben weiterhin abgeschaltet

Seit einem Jahr speist das AKW Krümmel keinen Strom mehr in das Stromnetz ein, der Reaktor Brunsbüttel ist nach einer Pannenserie seit Mitte Juli 2007 heruntergefahren. Rund eine Million Euro kostet der Ausfall beider Atommeiler den Stromkonzern - täglich. Doch für das Wiederanfahren ist noch kein Termin in Sicht.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Geesthacht/Brunsbüttel (ddp-nrd/sm) - Die symbolträchtige Nachricht vom Brand im Atommeiler Krümmel am Nachmittag des 28. Juni vergangenen Jahres war der Auftakt eines wochenlangen Streits um die Sicherheit der von Vattenfall Europe betriebenen AKW Krümmel und Brunsbüttel. Exakt um 15.02 Uhr löste ein Kurzschluss einen Transformatorbrand aus, Krümmel wurde durch Schnellabschaltung heruntergefahren. Bereits zwei Stunden zuvor hatte eine Netzstörung die Schnellabschaltung des Reaktors Brunsbüttel ausgelöst.

Noch kein Termin zum Anfahren absehbar

"Für beide Anlagen haben die Betreiber selbst bislang weder Anträge zum Wiederanfahren gestellt noch solche angekündigt", sagt Wolfgang Cloosters, Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit und Strahlenschutz im Kieler Sozialministerium, das für die Atomaufsicht zuständig ist. In beiden Anlagen werde derzeit hauptsächlich an der Problematik der Risse in Armaturen sowie an der Dübelproblematik gearbeitet. An Spekulationen, "wie lange die Betreiber dazu noch brauchen", beteilige sich das Ministerium nicht.

Der Energiekonzern geriet im vergangenen Sommer ebenso in die Kritik wie die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD). Der Vorwurf: Das Ministerium halte Informationen zurück. Probleme beim Herunterfahren des AKW Krümmel waren erst knapp eine Woche später bekannt geworden. Von einem "schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter" war die Rede.

Später ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Hintergrund waren Berichte über Rauchentwicklung in der Leitwarte des Atommeilers und mögliche Verletzte. Erst als Kriminalbeamte mit einem Durchsuchungsbefehl anrückten, gestattete der Energiekonzern eine Befragung des Reaktorfahrers. Atomsparten-Geschäftsführer Bruno Thomauske und Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher mussten daraufhin gehen. Am 28. Juni hatte es zunächst nach einem "harmlosen" Trafobrand ausgesehen.

Brunsbüttel darf bis nach der Bundestagswahl weiterlaufen

Das ebenfalls von Vattenfall betriebene AKW Brunsbüttel musste nach einer ganzen Pannenserie schließlich am 18. Juli erneut heruntergefahren werden und ist seither vom Netz. Einen Vorteil bietet der Stillstand für Vattenfall zumindest im Fall Brunsbüttel. Die im Atomkonsens vereinbarte endgültige Abschaltung des Reaktors hat sich dadurch bereits vom Frühjahr 2009 auf Anfang 2010 verschoben. Damit kann Brunsbüttel bis nach der Bundestagswahl am Netz bleiben. Die heutige Reststrommenge reiche im Fall Krümmel bei normalem Betrieb von heute an bis 2016, sagte Banek.