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Kroes: Mehr Wettbewerb durch Trennung auf dem Energiemarkt

Die Europäische Kommission pocht weiter auf strukturelle Veränderungen im Energiemarkt, die mehr Wettbewerb ermöglichen sollen. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sprach sich heute in Lissabon deutlich für eine unternehmerische Trennung von Erzeugung, Weiterleitung und Vertrieb von Energie aus.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Lissabon (ddp/sm) - Eine solche Trennung dürfe nicht nur formal sein, so Kroes weiter. Sie deutete auch an, dass sie langfristige Gaslieferverträge begrenzen wolle und forderte eine Stärkung der Energie-Regulierungsbehörden. Diese müssten mehr Einblick in den Markt bekommen und "potenziell marktrelevante Informationen" auch untereinander austauschen dürfen, sagte die Kommissarin. Langfristige Gaslieferverträge böten den Marktteilnehmern zwar Sicherheit. Wenn aber fast alles Gas auf dem Markt bereits durch solche Verträge vergeben sei, könnten neue Wettbewerber nicht genug davon kaufen, um ein profitables Unternehmen aufzubauen.

"Absolute Priorität" habe für sie die Entflechtung großer Energiekonzerne, das so genannte Unbundling. "Europa hat genug von Chinesischen Mauern und Quasi-Unabhängigkeit", sagte Kroes. Eine wirkliche Trennung von Erzeugung, Vertrieb und Infrastruktur nannte sie den einzigen Weg, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen in den Energiemarkt wieder herzustellen. Integrierte Konzerne würden immer noch ihre eigenen Geschäftssparten für Erzeugung oder Vertrieb bevorzugen.

Beim Thema Regulierungsbehörden ließ Kroes durchblicken, dass sie weiter für eine europäische Aufsicht ist. Um einheitliche Marktbedingungen zu schaffen, müssten die nationalen Regulierer jedenfalls eng zusammenarbeiten. "Ich frage mich aber, ob das genug ist", sagte Kroes.