Undurchsichtig

Kritik an Umsetzung des Energieausweises

Der Energieausweis ist ab Juli 2008 auch für Bestandsbauten Pflicht, jedoch sei die Umsetzung teilweise unklar. So führen die zwei möglichen Arten der Ausweise zu Undurchsichtigkeit, zudem hätten beispielsweise Mieter kein Recht auf Umsetzung der empfohlenen Modernisierungsmaßnahmen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (red) - Dass bei der Umsetzung der Energieausweis-Pflicht noch einige Schwierigkeiten auftreten können, wurde kürzlich auf der von der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. (ASUE) und der Vereinigung der Deutschen Zentralheizungswirtschaft e.V. (VdZ) organisierten Fachtagung "Der Energieausweis für den Gebäudebestand" deutlich. Dort diskutierten rund 90 Interessierte mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik über die Rahmenbedingungen zur Einführung des Energieausweises, informiert der Europressedienst (EuPD).

Unübersichtlichkeiten würden beispielsweise durch die zwei Arten des Energieausweises entstehen. So könne die Energieeffizienz eines Hauses entweder über den Energiebedarf festgestellt werden, der u.a. von Aspekten wie der Bausubstanz oder den Fenstern abhängt. Deutlich einfacher und damit kostengünstiger sei die Ermittlung auf Basis des Energieverbrauchs der letzten drei Jahre. Damit könne ein Energieausweis erstellt werden, obwohl der Aussteller das entsprechende Gebäude niemals betreten habe, wobei es zu ungenauen Beurteilungen kommen könne.

Jürgen Stock, Referatsleiter beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wies jedoch darauf hin, dass das neue Gesetz an manchen Stellen bewusst offen gehalten wurde, um größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden.

Jedoch ist nach Ansichts Stocks auch die Frage, wer tatsächlich als potentieller Mieter oder Käufer zu betrachten ist und so ein Anrecht auf einen Blick in den Energieausweis hat, noch nicht ausreichend beantwortet. Verweigert der Verkäufer oder Vermieter dem Interessenten allerdings den Einblick in den Energieausweis, handelt er ordnungswidrig und ihm droht eine Bußgeldforderung. Ebenfalls unklar sei, ob Mieter ein Anrecht auf den Einbau neuer Fenster haben, wenn dies im Energieausweis empfohlen wird.

Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass die Kosten für einen Energieausweis im "Ermessen des Ausstellers" liegen. So werden sich nach Schätzungen die Kosten für einen verbrauchsorientierten Ausweis für ein Einfamilienhaus auf knapp 50 Euro belaufen, jedoch gibt es im Internet Energieausweise für nur 9,90 Euro. Hier sei allerdings Vorsicht geboten, denn nicht alle Ausweise entsprechen den gesetzlichen Anforderungen der EnEV.

Um dem Verbraucher im Dschungel der Energieausweise Orientierungspunkte zu geben, fordert Horst Eisenbeis, Geschäftsführer der VdZ gegenüber dem EuPD Europressedienst dringend mehr Transparenz seitens der Anbieter.