Schuldnerberatung

Kritik an Strombudgets von Hartz-IV-Empfängern

Nach Angaben der gemeinnützigen Berliner Schuldnerberatung GVS bekommen Hartz-IV-Empfänger zu wenig Geld für Strom. Problematisch sei nicht nur die Höhe der Abschläge, sondern auch die Tatsache, dass der Energieverbrauch von Hartz-IV-Empfängern ohnehin über dem Durchschnitt liege - und das aus zwei Gründen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gebe der Bundesbürger monatlich durchschnittlich 37,97 Euro im Monat für seine Stromrechnung aus, die Regelleistung für "Hartz IV"-Empfänger betrage jedoch nur 22,62 Euro, teilte die GVS am Mittwoch mit. Damit entstehe für die derzeit 327.000 so genannten Bedarfsgemeinschaften in Berlin monatlich eine durchschnittliche Differenz von 15,35 Euro.

In fast allen Beratungsgesprächen der GVS werde dieses "Dilemma" deutlich, sagte GVS-Geschäftsführer Sven Gärtner. Immer mehr Hartz-IV-Empfänger könnten die Abschläge für die Stromrechnung nicht aufbringen, geschweige denn die Rückstände tilgen, sagte er. "Es sei denn, sie sparen an den ohnehin schon knapp bemessenen Ausgaben für Lebensmittel oder die Kinder", betonte Gärtner.

Verschärft werde die Situation dadurch, dass der Energieverbrauch von Hartz-IV-Empfängern ohnehin über dem Durchschnitt liege, sagte Gärtner. Zum einen verbrächten sie laut Statistik acht Stunden länger pro Tag in den eigenen vier Wänden als der Durchschnitt. Zum anderen hätten sie kaum die finanziellen Möglichkeiten, sich energieeffiziente Geräte anzuschaffen, sagte Gärtner. Die Regelleistung für Neuanschaffungen von Kühlschränken und sonstigen Haushaltsgeräten liege bei 2,15 Euro pro Monat.

Die GVS - Gemeinnützige Gesellschaft für Verbraucher- und Sozialberatung mbH - bietet nach eigenen Angaben kostenlose Beratung für Haushaltsschulden in Berlin an. Gesellschafter sind unter anderem der Deutsche Familienverband Berlin und der Paritätische Wohlahrtsverband Berlin.