Atommüll

Kritik an Ergebnissen der BGR-Endlager-Studie

Ebenso wie bei den Grünen ist man auch im Umweltministerium der Ansicht, dass eine ergebnisoffene Endlagersuche nach wie vor zwingend anzuraten sei. Der BGR, die zuletzt mit bizarren Thesen zum Klimawandel aufgefallen war, wird unterstellt, sie habe eine Gefälligkeitsstudie geschrieben.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Die am Mittwoch vorgestellte Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist auf deutliche Kritik gestoßen und hat auch einen Streit zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium ausgelöst. Hintergrund: Die BGR ist dem Wirtschaftsministerium (BMWi) zugeordnet und wurde von diesem mit der Erstellung der Endlagerstudie beauftragt.

Das BMWi hatte die Ergebnisse des BGR-Papiers so interpretiert, als sei damit nun hinlänglich geklärt, dass eine erneute Endlagersuche in unterschiedlichen Gesteinen nicht notwendig sei. Somit müsse der Standort Gorleben an erster Stelle stehen.

Dagegen wandte sich sowohl Michael Schroeren, Sprecher des Umweltministeriums, als auch die umweltpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, Sylvia Kotting-Uhl. Das Papier der BGR, so Schroeren, stünde in keinem Zusammenhang mit einem systematischen Auswahlverfahren für einen Endlagerstandort nach vorher festgelegten Kriterien und Bewertungsmaßstäben. Deshalb liefere die nun veröffentlichte Deutschlandkarte mit Tongesteinsformationen keine Standortalternativen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle.

Die Vorgehensweise der BGR widerspreche allen Erkenntnissen, die über Jahrzehnte in vielen Ländern gewonnen wurden, und in entsprechenden Berichten der OECD/NEA und der Europäischen Kommission dokumentiert sind. Eine Bewertung von geologischen Formationen für die Eignung als Endlagerstandort könne nur mittels eines von der Bundesregierung festgelegten Verfahrens erfolgen, das internationalen Auswahl- und Sicherheitskriterien entspricht und Möglichkeiten zur Beteiligung der Öffentlichkeit bietet.

Kotting-Uhl sprach von einem "Gefälligkeitsgutachten" der BGR. Glos habe offenbar kein Interesse an einer ergebnisoffenen Standortsuche und verstünde sich offensichtlich als Lobbyist der Interessen Süddeutschlands. Das sogenannte Expertengutachten der BGR verlegt die "untersuchungswürdigen" Standorte fast ausschließlich nach Norddeutschland, obwohl eine vergleichende Untersuchung noch gar nicht stattgefunden hat. Experten gehen jedoch davon aus, dass die geologischen Formationen des Südens durchaus geeignet sein können.

Es dürfe nicht darum gehen, den Süden gegen den Norden Deutschlands auszuspielen, so Kotting-Uhl. Ebenso wie Schroeren forderte auch die Grünen-Sprecherin ein nach objektiven Kriterien betriebenes, transparentes und demokratisches Auswahlverfahren, um eine sichere Endlagerung in Deutschland zu gewährleisten.