Solon-Insolvenz

Krise in der Solarbranche fordert weiteres Opfer

Die Krise in der deutschen Solarbranche hat zu einer neuen Pleite geführt: Am Dienstagabend meldete das Berliner Unternehmen Solon Insolvenz an. Gespräche über eine finanzielle Restrukturierung seien gescheitert, teilte das Unternehmen mit. Wirtschaftsminister Rösler will jedoch an der Kürzung der Solarförderung festhalten.

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Berlin (AFP/red) - Solon teilte mit, die 1997 gegründete Aktiengesellschaft habe in den vergangenen Monaten Gespräche mit Investoren, den finanzierenden Banken und den Bürgen geführt. Am Dienstag aber seien "die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung gescheitert". Deshalb werde das Unternehmen nun "die Möglichkeiten zur Restrukturierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens nutzen".

Umsätze mit Solarenergie extrem rückläufig

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig, sagte am Mittwoch, der Verband bedauere "die Insolvenz eines Pioniers der Solarindustrie". Überraschend kommt die Solon-Pleite aber nicht: Seit 2009 fährt das Unternehmen Verluste ein. Allein 2010 machte es ein Minus von fast 20 Millionen Euro. Der Börsenkurs der Solon-Aktien lag 2007 bei fast 87 Euro. Am Mittwochmittag waren die Papiere noch 39 Cent wert.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sah in ihrem im März dieses Jahres veröffentlichten "Schwarzbuch Börse 2010" die Lage bei Solon schon äußerst kritisch. Das Unternehmen habe seine Bankkredite neu verhandeln und dafür eine Staatsbürgschaft zur Hilfe nehmen müssen - "sonst wären sie wohl heute schon insolvent", schrieb die SdK damals.

Die Solarbranche in Deutschland kriselt seit längerem. Der Preisverfall für Solarmodule, die Kürzung der staatlichen Solarförderung und vor allem die billige Konkurrenz aus China machen dem Sektor Schwierigkeiten. 2010 hatte bereits die Firma Systaic aus Düsseldorf Insolvenz angemeldet.

An der jüngsten Pleite trage auch Bundeswirtschaftsminister Rösler eine Mitschuld, erklärte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell. Rösler lasse "keine Gelegenheit aus, gegen die Solarenergie in Deutschland zu schießen". Die Folgen seien verunsicherte Geldgeber, Insolvenzen und im Falle von Solon die fälligen staatlichen Bürgschaften über 163 Millionen Euro.

Weitere Kürzung der Förderung soll kommen

Rösler bekräftigte derweil seine Kürzungspläne bei der Förderung der Solarenergie. Die Hälfte der Förderung der erneuerbaren Energien falle derzeit für Fotovoltaik an, obwohl ihr Anteil an der Energieproduktion nur drei Prozent betrage, sagte der Minister der Online-Ausgabe der "Passauer Neuen Presse". "Das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll."

Wer die Solarenergie in Frage stelle, "gefährdet die Energiewende und eine der wichtigsten Zukunftsbranchen Deutschlands", kritisierte BSW-Hauptgeschäftsführer Körnig die Pläne. "Solarenergie kann nicht länger als Buhmann für steigende Strompreise herhalten." Jüngste Berechnungen hätten bestätigt, dass sich aufgrund von Kostensenkungs- und Technologieerfolgen selbst bei ambitioniertem weiterem Ausbau die Förderkosten stabilisierten.

Die Regierungskoalition diskutiert derzeit eine Begrenzung für den Zubau von Solaranlagen: Demnach sollen nur noch Anlagen mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt pro Jahr gefördert werden. 2010 hatte der Zuwachs der installierten Fotovoltaik-Leistung 7,4 Gigawatt betragen, für 2011 rechnen die Betreiber der Strom-Übertragungsnetze mit einem Plus von 6,5 Gigawatt.

Quelle: AFP