Handelspartner

Krim-Krise führt EU nach Kanada

Im Zuge der Krim-Krise und dem Versuch, sich von russischen Gas- und Ölimporten unabhängiger zu machen, könnten auch neue Handelsbeziehungen entstehen. Angela Merkel suchte das Gespräch mit dem kanadischen Premierminister. Das Land soll über enorme Energieressourcen verfügen.

Kanada

Berlin (AFP/dpa/red) - Vor dem Hintergrund der Krim-Krise und der großen Abhängigkeit Westeuropas von Energielieferungen aus Russland hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür ausgesprochen, die Energieressourcen Kanadas in die "langfristige Orientierung" einzubeziehen. Als "rohstoffreiches" Land sei Kanada ein "sehr interessanter Partner" für Deutschland und die Europäische Union, sagte Merkel am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Stephen Harper im Berliner Kanzleramt. Beide Regierungschefs rühmten die Vorteile des Freihandelsabkommens zwischen EU und Kanada (CETA).

Zölle beseitigen

Sie sei "sehr froh", dass die "wesentlichen Hürden" für das Inkrafttreten des CETA-Abkommens überwunden seien, sagte Merkel. Mit dem Inkrafttreten würden 98,4 Prozent der Zölle im Warenhandel beseitigt, die Industriezölle würden in sieben Jahren "vollständig abgebaut" und mehr als 90 Prozent der EU-Agrarexporte würden zollfrei gestellt. Harper sagte voraus, durch das Freihandelsabkommen werde sich der Handelsaustausch "vervielfachen".

Infrastruktur für den Handel schaffen

Mit dem aktuellen Streit um die Annexion der Krim durch Russland ergebe sich "durchaus eine neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik", sagte Merkel. Harper erwiderte, Kanada verfüge über "enorme Energieressourcen", die bislang nur auf dem nordamerikanischen Kontinent abgesetzt würden. Die Kanzlerin machte darauf aufmerksam, dass für die intensivere Nutzung der kanadischen Energievorräte in Europa die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden müsse. Harper hält sich mit einer Wirtschaftsdelegation in Deutschland auf, die von Berlin nach München weiterreisen wollte.

Beistandspflicht gegenüber der Nato

Zur Androhung einer dritten Stufe der Strafmaßnahmen gegen Russland mit Wirtschaftssanktionen sagte Merkel: "Ich hoffe, dass wir da gar nicht hinkommen müssen." Ziel sei es, dass die Ukraine als selbstständiges Land ihre eigenen Entscheidungen treffen könne. Die Kanzlerin bekräftigte, dass keine militärische Lösung des Konflikts mit Russland angestrebt werde. Allerdings bestehe eine Beistandsverpflichtung gegenüber den osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Nato. "Das ist eine Selbstverständlichkeit", sagte sie.

Putin möchte Rivale sein

Harper mahnte bei Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen der Risiken für die Weltwirtschaft zur Vorsicht. Zugleich stellte er - unabhängig von der aktuelle Krise - eine Diversifizierung der kanadischen Energieexporte in Aussicht. Zum russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte er: "Putin möchte kein Partner sein, er möchte ein Rivale sein." Es sei schwer vorstellbar, dass Russland an den Tisch der G8 zurückkehre, wenn nicht ein grundsätzlicher Kurswechsel in Moskau stattfinde.

G8 ausgesetzt

Kanada ist wie Deutschland Mitglied der Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7). Das Format G8 für Treffen unter Einschluss Russlands war wegen der aktuellen Krise ausgesetzt worden. Harper war bei seinem Besuch in Berlin mit militärischen Ehren begrüßt worden. Später stand auch ein Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck auf seinem Programm.

Quelle: AFP