Verdacht der Einflussnahme

Kreuzchen im AKW-Abschlussbericht verschwunden

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat sich gegen den Verdacht politischer Einflussnahme auf die Stresstests für die europäischen Atomkraftwerke gewehrt. "Es gab keinerlei politische Einwirkungen, in keine Richtung, von außerhalb" und "keine Zensur" sagte Oettinger am Donnerstag vor der Presse in Brüssel. Es waren nämlich Kreuzchen verschwunden.

Kernkraftwerk© Roland Marti / Fotolia.com

Brüssel (AFP/red) - Er reagierte auf die Frage, warum der am Donnerstag vorgestellte Abschlussbericht sich in bestimmten Punkten von dem Entwurf unterscheide, der Anfang der Woche bekannt geworden war.

Der Abschlussbericht über die Sicherheit der 145 Atomkraftwerke in der EU beurteilt die Situation insbesondere in Frankreich anders als der Entwurf. Auf den Feldern, auf denen Verbesserungsempfehlungen gemacht wurden, hatten bei vielen der 58 französischen Meiler im Entwurf mehr Kreuzchen gestanden. Im Abschlussbericht war dann in einer auffallenden Anzahl etwa die Empfehlung für umfassende Notfall-Managementpläne nicht mehr vorhanden.

Keine Einwirkung von außen - aber von innen?

In den vergangenen Tagen seien "alle unsere Tabellen überprüft" worden, führte Oettinger aus. Dies sei alles "im Austausch zwischen Fachleuten" geschehen, sagte Oettinger. Weder Kernkraftwerksbetreiber noch Regierungen oder er selbst hätten darauf eingewirkt, wo ein Kreuz stehen müsse, sagte der deutsche Kommissar.

Der von der Kommission vorgestellte Abschlussbericht wurde zusammen mit den nationalen Atomaufsichtsbehörden erarbeitet. Die Stresstests waren in drei Phasen gegliedert, auch die Betreiber selbst steuerten ihre Einschätzungen und Erkenntnisse bei. Die Gesamtsituation nannte Oettinger am Donnerstag "zufrieden stellend", mahnte aber zahlreiche Verbesserungen an.

Quelle: AFP