Netzausbau

Kretschmann will Windparks auch in Touristenregionen

Der designierte Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), will den geplanten Ausbau der Windenergie auch in den touristischen Top-Regionen des Landes vorantreiben - sprich, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf/Berlin (dapd/afp/red) - "Es werden, vor allem in den Mittelgebirgen, also auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald, ganz neue Windparks entstehen: große, moderne Anlagen", sagte Kretschmann der "Wirtschaftswoche". Der Angst vor einer flächendeckenden Verspargelung der Landschaft will Kretschmann mit einer räumlichen Konzentrierung der Windkraft begegnen: "Es wird Widerstände geben, dessen sind wir uns bewusst", sagte er: "Deshalb wollen wir die Landschaft nicht verspargeln, sondern möglichst kompakte Windparks schaffen."

Der Preis, der gezahlt werden müsse

Zugleich appellierte Kretschmann an die Bürger, für den Ausstieg aus der Atomenergie auch den Ausbau der Windkraft zu akzeptieren. "Eine Änderung der Industriegesellschaft verändert die Landschaft - das ist der Preis, den wir für den Fortschritt bezahlen müssen. Man kann nicht aus der Atomenergie aussteigen, die Kohleverstromung verdammen, den Wohlstand halten wollen und gleichzeitig fordern: Die Landschaft verändert sich nicht." Schließlich könnten Windräder ohne Probleme auch wieder abgebaut werden.

Der Chef der teilstaatlichen Deutschen Energieagentur (dena), Stephan Kohler, sieht wenig Chancen für einen umfassenden Ausbau der Windkraft an Land. Bis 2025 seien neue Anlagen mit einer Kapazität von 8000 bis 10.000 Megawatt machbar, sagte Kohler der "Berliner Zeitung" vom Samstag. Bislang sind 27.000 Megawatt installiert, der von Kohler prognostizierte Ausbau würde nicht einmal der Hälfte der zuletzt erreichten Rate entsprechen.

Skeptisch sieht der dena-Chef vor allem den Ausbau der Windkraft in südlichen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. "Das sind relativ dicht besiedelte Länder. Wenn ich mir den Widerstand in dünn besiedelten Ländern anschaue, dann habe ich Zweifel, ob in Bayern die großen Windparks entstehen können", sagte er der Zeitung. Die Dena setze deshalb auf Offshore-Windparks im Meer vor Deutschlands Küsten.