Stromengpässe

Kraftwerk Mannheim bietet sich als Kaltreserve an

Nach der Abschaltung von acht deutschen Atomkraftwerken steht das Großkraftwerk Mannheim (GKM) als Reserve bei Stromversorgungsenpässen zur Verfügung. Damit scheint sich die Frage nach einer atomaren Kaltreserve ganz offenbar nicht mehr zu stellen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Der Bundesnetzagentur sei mitgeteilt worden, dass Block 3 des Kraftwerks "als konventionelle Kaltreserve" in Betracht gezogen werden könne, erklärte das baden-württembergische Umweltministerium am Freitag in Stuttgart. Die dazu erforderliche immissionsschutzrechtliche Genehmigung könne bis Ende Oktober erteilt werden.

Das Umweltministerium geht davon aus, dass sich für die Bundesnetzagentur die Frage einer "atomaren Kaltreserve", beispielsweise durch das Atomkraftwerk Philippsburg 1, damit nicht mehr stellt.

Entscheidung für Mannheim gilt als wahrscheinlich

Die Bundesnetzagentur lässt derzeit bundesweit alle Stromerzeugungsanlagen als Reserven prüfen, um Vorkehrungen gegen Stromengpässe etwa bei extremen Wetterlagen zu treffen. Die Bonner Behörde hatte dazu das Umweltministerium in Stuttgart aufgefordert, bis Freitag zu klären, ob für Block 3 des GKM bis November 2011 die erforderliche Genehmigung erteilt werden könne.

Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die Bundesnetzagentur für das mit Steinkohle betriebene Mannheimer Kraftwerk entscheidet. In dem Brief an das Ministerium hatte die Behörde dieser Möglichkeit eine "ausschlaggebende Bedeutung" zugeschrieben. Die Bundesbehörde will in der nächsten Woche ihre Entscheidung bekanntgeben, welche Anlagen sie als Versorgungsreserve vorhalten will.

Block 3 des GKM dient derzeit bereits als Reserveblock. Er darf nur genutzt werden, wenn einer der vier aktiven Blöcke außer Betrieb ist.

Einsatz nur bei extremen Szenarien geplant

Eine Sprecherin der Netzagentur sagte, der Einsatz der Reserve komme nur bei bestimmten Szenarien in Betracht, etwa bei extremen Wetterlagen und gleichzeitig schlechten Bedingungen für Stromerzeugung durch Windkraft und Sonne sowie starkem Strombedarf. In einem solchen Fall werde die Reserve für jeweils wenige Stunden genutzt.

Sollte sich die Bundesnetzagentur für Block 3 des GKM als Versorgungsreserve entscheiden, will die Landesregierung in einer Informationsveranstaltung Bürgern die Möglichkeit zu Fragen an den Betreiber und die Behörden geben. Das Ministerium betonte, dass bei dem Genehmigungsverfahren keine Auslegungs- und Einwendungsfristen erforderlich seien.

Im Großkraftwerk Mannheim wird derzeit ein neuer Block mit einer Gesamtleistung von 911 Megawatt gebaut. Nach seiner Inbetriebnahme sollen dafür die Blöcke 3 und 4 abgeschaltet werden. Das Ministerium betonte, dass es dabei in jeden Fall bleiben werde. Die Frage einer Versorgungsreserve wird sich nach Inbetriebnahme des Blocks 9 nach Einschätzung des Ministeriums nicht mehr stellen, da der neue Block mehr als doppelt so viel Kapazität hat wie die Blöcke 3 und 4.

Die Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Brigitte Dahlbender, sagte, wenn es nicht anders gehe, sei Block 3 des GKM besser, als das marode AKW Philippsburg 1 am Leben zu erhalten. Dahlbender rechnet nicht mit nennenswerten Widerständen. Grundsätzlich erachte der BUND aber eine Kaltreserve für unnötig, wenn den Ausbau erneuerbarer Energien entschieden vorangetrieben werde. Nach einer gerichtlichen Niederlage will sich der BUND weiter gegen den Bau von Block 9 des GKM wehren.