Forderungen

Konzerne wollen Ausgleich für Betrieb unrentabler Meiler

Deutsche Stromkonzerne dringen im Zusammenhang mit der Energiewende auf Entschädigungen für den Weiterbetrieb unrentabler Kraftwerke und für Verspätungen beim Netzausbau. Gleichwohl sei es richtig, im Interesse der Versorgungssicherheit alte, unrentable Kraftwerke am Netz zu halten.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - Das sagte der designierte RWE-Chef Peter Terium dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Die Betreiber müssten allerdings eine angemessene Vergütung für den Betrieb dieser unrentablen Reserve Kraftwerke erhalten", fügte er hinzu.

Entschädigungen würden bereits geprüft

Die Bundesnetzagentur prüft einem Bericht der "Wirtschaftswoche" zufolge bereits Entschädigungszahlungen an den Versorger E.on für den Weiterbetrieb unrentabler Gaskraftwerke. Die Agentur kläre bei zur Schließung vorgesehenen E.on-Anlagen, "ob es sich um Kraftwerke handelt, die für die Netzsicherheit zwingend erforderlich sind", sagte der Chef der Netzagentur, Jochen Homann, der Zeitschrift (Montagausgabe). Falls sie am Netz bleiben müssten, "wird man sich einer Frage nach einer angemessenen Entschädigung nicht verschließen können."

Energieversorger dürften allerdings nicht ermuntert werden, "in Erwartung einer Entschädigung Kraftwerksstilllegungen anzukündigen", sagte Homann weiter. E.on hatte die Agentur Medienberichten zufolge über die beabsichtigte Schließung dreier unrentabler Gaskraftwerke in Süddeutschland informiert.

Gespräche über Verzögerungen beim Netzausbau gefordert

Der designierte RWE-Chef Terium forderte zudem Gespräche über einen wirtschaftlichen Ausgleich für den verspäteten Netzanschluss von Offshore-Windparks. Der zuständige Netzbetreiber Tennet habe RWE gerade mitgeteilt, "dass es weitere massive Verzögerungen beim Anschluss unseres Windparks Nordsee Ost gibt", sagte Terium im Spiegel-Interview weiter. "Damit ist die Wirtschaftlichkeit des Windparks extrem gefährdet." Er verlangte von der Bundesregierung, "mit uns und anderen Investoren über die Lösung des Problems des wirtschaftlichen Ausgleichs zu reden".

Falls es keine Gespräche über einen Ausgleich gebe, "werden die deutschen Offshore-Planungen bis zum Jahr 2020 nicht mehr erfüllbar sein", fügte Terium hinzu. Viele der eigentlich für Deutschland geplanten Parks würden dann in Großbritannien gebaut. Terium ist ab 1. Juli zum RWE-Chef bestellt. Der 295-Megawatt-Windpark Nordsee Ost, den RWE 30 Kilometer nördlich von Helgoland errichtet, sollte bislang 2013 in Betrieb gehen.

Geringere Gewinne trotz höherer Preise erwartet

Im Zuge der Energiewende erwarten die deutschen Stromversorger mehrheitlich trotz steigender Preise nachlassende Gewinne. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Stadtwerken und Energieversorgern durch die Unternehmensberatung Horváth & Partners, über die die "Wirtschaftswoche" berichtet. Bei der Umfrage rechneten 84 Prozent der Unternehmen mit deutlich steigenden Strompreisen. Zugleich prognostizierten die Versorger zu 90 Prozent sinkende Renditen. Die Beratungsfirma befragte dem Bericht zufolge 73 Energieversorger, die 85 Prozent des deutschen Marktes abdecken.