Hoffen auf neue Regierung

Konzerne wollen Atomausstieg über Wahl 2009 hinauszögern

RWE, EnBW und Vattenfall wollen laut einem Pressebericht die Abschaltung ihrer älteren Atomkraftwerke vor der Bundestagswahl 2009 vermeiden. Dazu sollten Biblis A, Brunsbüttel und Neckarwestheim-1 so betrieben werden, dass sie die jeweils vereinbarten Reststrommengen bis Herbst 2009 nicht ausschöpfen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - Damit könne der Ausstiegsplan für alle noch am Netz befindlichen 17 deutschen Atomkraftwerke revidiert werden, falls danach die nuklearfreundlichen Parteien Union und FDP eine Regierung bilden können, berichtete die "Frankfurter Rundschau".

Im Atomkonsens von 2001 hatten die damalige rot-grüne Bundesregierung und die Atomindustrie für jedes Atomkraftwerk eine sogenannte Regellaufzeit von 32 Jahren ab Inbetriebnahme vereinbart. Jedes Kraftwerk verfügt über dementsprechende Reststrommengen. Sobald das Limit erreicht ist, muss die Anlage stillgelegt werden. Für Biblis A, Brunsbüttel und Neckarwestheim-1 waren damals frühere Abschalttermine ins Auge gefasst worden. Diese verzögerten sich aber, weil Biblis A und Brunsbüttel mehrfach stillstanden.

Das Blatt berichtete unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Strahlenschutz Biblis A habe Anfang 2008 noch über eine Reststrommenge vom 13680 Gigawattstunden (GWh) verfügt. Im letzten Jahr mit Dauerbetrieb, 2005, habe der Reaktor rund 7350 GWh produziert. Da Biblis A nach einem langwierigen Austausch von Dübeln erst seit Anfang Februar wieder am Netz ist, käme das endgültige Aus frühestens im Herbst 2009.

Kraftwerksleistung gedrosselt

EnBW-Sprecher Dirk Ommeln sagte der Zeitung, sein Konzern schätze, dass der Altmeiler Neckarwestheim-1 möglicherweise bis 2010 am Netz bleibe. Der Reaktor hatte Ende 2007 noch eine Reststrommenge von 10247 GWh. Rechnerisch käme er damit nur bis August 2009, schrieb die Zeitung. Allerdings lasse EnBW das Kraftwerk offenbar seit Frühjahr 2007 mit verminderter Leistung laufen. In einigen Monaten habe die Stromproduktion um 50 Prozent unter dem Maximalwert gelegen.

Der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warf den Kraftwerksbetreibern vor, sich nicht an ihre Zusagen zu halten. "Was früher unter Kaufleuten üblich war, gehört offenbar nicht mehr zur Unternehmenskultur der Energiekonzerne", sagte er der Zeitung.