Sicherheit

Konsequenzen gefordert: Auch bei Biblis-Kontrollen wurde gepfuscht

Die vorgetäuschte Sicherheitskontrolle im Atomkraftwerk Philippsburg scheint kein Einzelfall zu sein. Auch im AKW Biblis soll ein Mitarbeiter bei den Sicherheitsprüfungen geschummelt haben. Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl fordert, den Fall an die Bundesatomaufsicht weiterzugeben.

RadioaktivAnscheinend wurden auch in anderen Atomkraftwerken aus dem in Philippsburg die Sicherheitskontrollen nicht durchgeführt.© grandeduc / Fotolia.com

Stuttgart/Wiesbaden - Der Fall der vorgetäuschten Sicherheitskontrollen im Atomkraftwerk Philippsburg II muss nach Auffassung von Politikern und Umweltverbänden Konsequenzen haben. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) kündigte am Donnerstag an, jetzt auch das zweite im Land noch betriebene Atomkraftwerk Neckarwestheim II unter die Lupe zu nehmen.

Vorgetäuschte Prüfung in Philippsburg

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass in Philippsburg ein Mitarbeiter eine regelmäßige Prüfung an einem Störfallmonitor zwar dokumentiert, tatsächlich aber nicht durchgeführt hatte. Das Umweltministerium als Aufsichtsbehörde kündigte eine Anordnung an, die das Wiederanfahren der Anlage untersagt. Dazu findet eine gesetzlich vorgeschriebene Anhörung statt.

AKW Philippsburg ist derzeit ausgeschaltet

Seit dem 8. April ist das Atomkraftwerk wegen einer Revision nicht am Netz. Unter anderem werden Brennstäbe gewechselt und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Als geplanten Termin für das Wiederanfahren nannte der Betreiber EnBW den 14. Mai. Block II soll noch bis spätestens Ende 2019 laufen, Block I wurde 2011 abgeschaltet.

Grüne: Bundesatomaufsicht sollte übernehmen

Die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl forderte die Bundesatomaufsicht auf, sich des Falls anzunehmen. Vor allem müsse analysiert werden, ob es Lücken im Regelwerk gebe, die eine Vortäuschung von Prüfungen ermöglichten, teilte die Bundestagsabgeordnete mit. Auch müsse geklärt werden, ob es in anderen Atomkraftwerken ähnliche Fälle gegeben habe.

Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital sprach nach dem Vorfall in Philippsburg von einem schweren Mangel in der Sicherheit. Das Atomkraftwerk sei schon früher wegen ähnlicher Pannen negativ aufgefallen. Jetzt müsse man über eine endgültige Abschaltung früher als geplant nachdenken.

Philippsburg-Mitarbeiter täuschte Prüfungen öfter vor

Laut Umweltminister Untersteller sind nach dem am 5. April aufgedeckten Fall bei 450 Sicherheitsprüfungen weitere sieben Fälle aufgefallen. Stets sei derselbe Mitarbeiter eines zwei- bis dreiköpfigen Prüfteams verwickelt gewesen. Seines Wissens nach sei es das erste Mal, dass eine vorgeschriebene Prüfung in einem deutschen Kernkraftwerk offenbar bewusst vorgetäuscht wurde.

Auch in Biblis wurde bei den Prüfungen getrixt

Im Laufe des Tages wurde jedoch bekannt, dass auch ein für den Strahlenschutz zuständiger Mitarbeiter des Atomkraftwerks Biblis in Hessen 2014 und 2015 Sicherheitsprüfungen an Messgeräten vorgetäuscht hat. Weil die Dokumentation der vermeintlichen Prüfergebnisse auffällig gewesen sei, hätten der Kraftwerkbetreiber und das Umweltministerium nach weiteren Recherchen den Fall aufdecken können, teilte das Ministerium am Donnerstag in Wiesbaden mit. Der Fall sei nach der Stilllegung des AKWs erfolgt.

Quelle: DPA