Kosten/Nutzen

Konflikt: Wasserkraftanlagen nicht immer umweltfreundlich

Eine Studie des Umweltbundesamts untersucht die rechtlichen und ökologischen Aspekte der Wasserkraftnutzung in Deutschland. Fazit: Umso kleiner die Leistung der Anlage ist und je naturnäher die betroffenen Gewässer sind, umso größer ist der ökologische Schaden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Wasserkraft ist zur Zeit noch die wichtigste erneuerbare Energiequelle in Deutschland. Doch der Einsatz von Wasserkraft zur Energiegewinnung ist nicht immer sinnvoll. In naturnahen Flüssen oder solchen, die renaturiert werden sollen, sollten keine Wasserkraftanlagen neu gebaut oder wieder in Betrieb genommen werden. Sinnvoller ist es, die bestehenden Anlagen so zu optimieren, dass ihr Potenzial zur Energiegewinnung voll genutzt wird. Denn: Wasserkraftwerke verändern das gesamte Ökosystem der Flüsse, und ihre Turbinen können die Fische schädigen. Vor allem bei kleinen Kraftwerken gleicht der geringe Beitrag zur sauberen Energieerzeugung die Nachteile für die Natur nicht aus. Als Faustregel gilt: Je kleiner die Leistung der Anlage und je naturnäher das betroffene Gewässer ist, desto geringer sind der wirtschaftliche Nutzen und der Nutzen für den Klimaschutz, aber umso größer ist der ökologische Schaden für das Gewässer. Das ist das Fazit einer Studie des Umweltbundesamtes.

In der Studie "Wasserkraftanlagen als erneuerbare Energiequelle" haben Experten des Umweltbundesamtes die rechtlichen und ökologischen Aspekte der Wasserkraftnutzung in Deutschland untersucht. Schlussfolgerung: Es gibt gerade bei den kleinen Wasserkraftanlagen bis 1000 Kilowatt elektrische Leistung einen erheblichen Konflikt zwischen den Zielen des Klimaschutzes und Gewässerschutzes. Mit 1000 Kilowatt können 100 000 Stromsparlampen mit einer Leistung von zehn Watt betrieben werden. Der Anteil der Energien Wind, Wasser, Sonne und Biomasse am Energiemix müsse deutlich erhöht werden, um das Klima zu schützen - weltweit, aber auch in Deutschland. Bei ihrer Nutzung entsteht kein klimawirksames Kohlendioxid. Die Wasserkraft hat eine lange Tradition und ist bislang die meistgenutzte erneuerbare Energiequelle in Deutschland. Derzeit werden etwa vier Prozent des gesamten Stromes durch Wasserkraft gewonnen. Es werden immer mehr Anlagen zur Nutzung der Wasserkraft gebaut und alte, stillgelegte Anlagen wieder in Betrieb genommen. Bund und Länder unterstützen dies finanziell. Aber das Potenzial der Wasserkraft ist in Deutschland schon zu 70 Prozent ausgeschöpft, haben die Experten vom Umweltbundesamt herausgefunden. Insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg werde das Wasser wegen der natürlichen Gefälleverhältnisse zur Energieerzeugung genutzt. Zur Zeit würden vor allem in naturnahen, kleinen Gewässern Wasserkraftanlagen installiert, um das restliche Potenzial der Wasserkraft auszunutzen. Der für die Anlagen notwendige Aufstau der Flüsse verursache aber schwerwiegende ökologische Schäden in den Gewässern. Der natürliche Lauf, die Strömung und die Wasserstände würden verändert - mit negativen Folgen für das komplette Ökosystem und die Gewässergüte. Da sich die Fliessgeschwindigkeit des Wassers verringert, verschlammen die Flüsse. Die Stauanlagen verhinderten die lebensnotwendigen Wanderbewegungen von Fischen - Wanderfischarten könnten nicht mehr zu ihren Laichgründen gelangen, weil oftmals funktionsfähige Fischauf- und Fischabstiegshilfen fehlten.

Vergleicht man deshalb den ökologischen Nutzen der kleinen Wasserkraftanlagen in Form des eingesparten Kohlendioxid-Ausstoßes mit den Verlusten in der Natur, käme man zu dem Schluss: Die noch wenigen verbliebenen naturnahen Gewässer sollten frei bleiben von Wasserkraftwerken. Die an diesen Gewässern oftmals geplanten Kleinstanlagen mit einer Leistung bis zu 100 Kilowatt erzeugen auch besonders teuren Wasserkraftstrom. Da die Kosten in der Regel über den Sätzen der Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) liegen, wäre noch eine Investitionsförderung für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlich. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gilt deshalb: Je geringer die Leistung der Anlage und je naturnäher das Fliessgewässer, desto ungünstiger ist das Kosten/Nutzen-Verhältnis, wird in der Studie bilanziert. Sinnvoller sei es, aus den bestehenden Kraftwerken an großen Flüssen das Optimum an Leistung herauszuholen. Wo ein großer Fluss ohnehin als Schifffahrtstrasse oder aus Hochwasserschutzgründen aufgestaut ist, hätte die zusätzliche Nutzung zur Wasserkraftgewinnung ökologisch Sinn.

Die Veröffentlichung "Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle" ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 1/2001 erschienen. Sie umfasst 90 Seiten, kostet 15 DM und kann gegen Zusendung eines Verrechnungsschecks an die Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstrasse 1-2, 10787 Berlin, bestellt werden.