Laufzeitverlängerung

Kompromiss: Obrigheim darf zwei Jahre länger am Netz bleiben (aktualis.)

Das älteste Atomkraftwerk Deutschlands darf zwei Jahre länger am Netz bleiben als geplant. Auf diesen Kompromiss einigen sich Kanzleramt, Umweltministerium, Wirtschaftministerium und EnBW gestern Abend. Der NABU bezeichnete die Laufzeitverlängerung, die von den Forderungen der EnBW abweicht, als einen "faulen" Kompromiss.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Wie Umweltminister Jürgen Trittin am Montagabend mitteilte, haben sich Bundeskanzleramt, Umwelt- und Wirtschaftsministerium und Obrigheim-Betreiber EnBW darauf geeinigt, die Laufzeit des ältesten Atommeilers Deutschlands um zwei Jahre zu verlängern. EnBW hatte eine Laufzeitverlängerung von fünf Jahren beantragt und berief sich dabei auf eine Zusage von Bundeskanzler Schröder aus Zeiten der Verhandlungen um den Atomausstieg.

Zudem werden die von beantragten 15 auf 5,5 Terawattstunden runtergekürzten Strommengen vom Atomkraftwerk Philippsburg I auf Obrigheim übertragen, und nicht - wie beantragt - von Neckarwestheim II. Das entspricht rechnerisch einer Laufzeit von weiteren zwei Jahren.

Gerhard Goll, Vorstandsvorsitzender der EnBW, zeigte Verständnis für die Schwierigkeiten, vor die sich die neue Bundesregierung gestellt sieht. In den Gremien des Energieversorgers soll das Ergebnis in den nächsten Tagen bewertet werden. Derzeit schätzte er die Situation jedoch so ein, dass es nicht zu einer streitigen Auseinandersetzung kommen wird. "Wer im Leben mit dem Kopf durch die Wand will, riskiert, dass er am Ende ohne Kopf da steht. Das gilt für alle, also auch für EnBW wie für die Bundesregierung. Deshalb ist es vernünftig, einen Kompromiss zu suchen."

Der Naturschutzbund NABU hat die Laufzeitverlängerung scharf kritisiert. "Mit diesem faulen Kompromiss zum Obrigheimer Schrottreaktor weicht die Bundesregierung den Atomkonsens schon beim ersten Ausstiegsschritt auf", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Nach Ansicht des NABU hätte der Bundeskanzler angesichts neuer Sicherheitsgutachten mehr als genug Gründe gehabt, von seiner angeblichen Zusage an EnBW-Chef Goll abzurücken. "Obrigheim ist nicht nur das unsicherste aller deutschen Atomkraftwerke, sondern hat auch den schlampigsten Betreiber", so Flasbarth.