Kommentar: Strombranche investiert verstärkt in E-Business-Lösungen

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Ein Kommentar von Frost & Sullivan Analyst Harald Thaler


Europas führende Erstausrüster (OEMs) für Komponenten zur Energieerzeugung wickeln ihre Geschäfte zunehmend übers Internet ab. Bald werden E-Business-Strategien von E-Procurement über interne Prozessabwicklung bis hin zu E-Sales aus der Branche nicht mehr wegzudenken sein. Die internationale Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht davon aus, dass große und breit diversifizierte Anbieter bereits bis 2003 mehr als zwei Drittel ihres Beschaffungswesens ins Netz verlagert haben werden. Im Jahr 2007 soll der Anteil dann schon bei 72 Prozent liegen.


Besonders hohe Steigerungsraten sind für 2001 zu erwarten, wenn sich die Vernetzung der Zulieferer weiter verbessert und die Katalogisierung von Standardteilen voranschreitet. Dadurch gewinnen die Beschaffungsportale der Marktführer zunehmend an Attraktivität. Insgesamt ist laut Frost & Sullivan derzeit im E-Procurement eine Schwerpunktverlagerung von der Beschaffung indirekter Güter und Dienstleistungen - beispielsweise Büroartikel, Computer und ähnliches - hin zum Einkauf direkter Materialien und Dienste - sprich Rohstoffen und Komponenten für die Fertigung - zu beobachten.


Die Akteure der Branche haben sich auf die Nutzung unabhängiger Marktplätze verlagert; allerdings hält sich die Investitionsbereitschaft in diesen Bereichen bislang eher in Grenzen. Stattdessen bauen sich viele Anbieter ihre eigenen Märkte auf, allen voran GE Power und Babcock Borsig. Andere Player wie Ansaldo Energia haben kaum Erfahrung im Bereich E-Procurement. Als ehemalige staatliche Unternehmen hinken sie der Entwicklung noch hinterher; ihre traditionelle Geschäftskultur zeigt sich bisher weitgehend innovationsresistent.


Während sich die meisten Anbieter von Stromerzeugungsanlagen bei ihrem E-Business-Engagement aufs E-Procurement konzentrieren, gewinnt auch der Nebenschauplatz E-Sales zunehmend an Bedeutung. Hier kreisen die Aktivitäten hauptsächlich um die Anschlussmärkte. Interviews mit Führungskräften großer Anbieter lassen darauf schließen, dass die proaktivsten Unternehmen ihre Lösungen und Produkte in Zukunft auch online vertreiben wollen. Dazu müssen sie allerdings Tools bereit stellen, die dem Kunden eine Konfiguration der Systeme ermöglichen. Auch hier spielt GE Power eine Vorreiterrolle.


Was sich durch E-Sales einsparen lässt, ist im Vergleich zu den Kosten der Anlagen unbedeutend. Doch wer für den gesamten Lebenszyklus eines Kraftwerks oder einer Komponente exzellenten Online-Kundendienst bieten will, muss alle Stadien abdecken - von der Entwicklung über den Aufbau bis in den Aftersales-Bereich. Entsprechend soll der Anteil von Verkäufen via Internet von geschätzten sechs Prozent im Jahr 2001 längerfristig exponentiell ansteigen.