Neuer Kandidat gesucht

Kohlestiftung: Eichel sagt Posten als Vorstandsmitglied ab

Die Turbulenzen um die geplante Kohlestiftung gehen überraschend weiter. Der als Vorstandsmitglied vorgesehene Ex- Bundesfinanzminister und ehemalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) lehnte den Posten gestern ab. Er fühle sich geehrt, wolle nach gründlicher Überlegung jedoch darauf verzichten.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen/Hannover (ddp/sm) - Erst am Mittwochabend hatte ein Spitzentreffen unter Führung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Personalentscheidungen bekannt gegeben, mit denen der Weg für die Kohle-Stiftung geebnet wurde. Den Vorsitz der Stiftung soll demnach der ehemalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef der BP Deutschland AG, Wilhelm Bonse-Geuking, übernehmen. Als weitere Mitglieder des dreiköpfigen Vorstands wurden der RAG-Arbeitsdirektor Ulrich Weber sowie Ex-Bundesfinanzminister Eichel genannt, der nun überraschend absagte.

Ein Sprecher Eichels sagte den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten, Eichel sei erst am Mittwochabend auf dem Hessenfest in der Landesvertretung in Berlin erstmals von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) gefragt worden. Dabei habe er noch keine Zustimmung signalisiert, sondern sich eine Bedenkzeit erbeten. Eichel habe sich nach reiflicher Überlegung unter anderem auch deswegen dagegen entschieden, da er sich als Bundestagsabgeordneter seinen Wählern im Wahlkreis Kassel verpflichtet fühle.

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte den Rückzug Eichels am Donnerstag nicht kommentieren und verwies auf das Bundesfinanzministerium, da Eichel die Interessen der SPD im Stiftungsvorsitz vertreten sollte. Eine Sprecherin dieses Ministeriums sagte, es sei ein "mit Eichel abgestimmter Vorschlag" gewesen. Man werde nun "so schnell wie möglich jemand anderen vorschlagen".

Bonse-Geuking sagte zu Eichels Rückzieher: "Das nehme ich zur Kenntnis." Er sei weder bei der Auswahl Eichels dabei gewesen, noch bei dessen Entscheidung, nicht in die Stiftung zu wechseln. Über einen Nachfolger werde man sich sicherlich erst einmal in Berlin, Düsseldorf und Saarbrücken Gedanken machen müssen.