Längere Übergangsphase

Köhler schaltet sich in Debatte um Nutzung von Atomkraftwerken ein

Bundespräsident Horst Köhler hat sich in die Debatte um eine längere Nutzung von Atom- und Kohlekraftwerken eingeschaltet. In einem "Stern"-Interview verteidigte er den Grundsatzbeschluss zum Atomausstieg, verwies aber auf "ernst zu nehmende Studien, die uns eine Energielücke vorhersagen."

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Eine solche Versorgungslücke hätte erhebliche Risiken für Wirtschaft und Arbeitsplätze. Die Aufgabe sei vor allem, Energie und Rohstoffe zu sparen. "Trotzdem kann es sein, dass wir recht bald damit konfrontiert sind, ob wir für eine längere Übergangsphase, als wir uns das heute wünschen, noch einen Mix einschließlich Nuklear- und Kohleenergie brauchen", sagte Köhler.

Er halte es für "zwingend, dass Deutschland eine entschlossene langfristige Strategie zur Nutzung regenerativer Energien und zur massiven Verbesserung der Energieeffizienz entwickelt und umsetzt", sagte der Bundespräsident, fügte aber hinzu: "Ich würde nicht ausschließen, dass wir mehr Zeit brauchen, und mir wünschen, dass wir darüber eine Diskussion mit den Bürgern führen: Traut ihr euch eine so tiefgreifende Umstellung zu? Wisst ihr, welcher Veränderungsbedarf und welche Veränderungsgeschwindigkeit in den Lebensgewohnheiten auf uns zukommen?"

Köhler beharrte zugleich auf dem grundsätzlichen Abschied von der Kernkraft: "Der Ausstieg aus der Atomkraft ist beschlossen, weil Atomkraft für uns auf lange Sicht keine Lösung ist." Die Sicherheitsbedenken sollten nicht vernachlässigt werden, weil Kernenergie billig ist. "Allein die ungelösten Endlagerprobleme sind mir viel zu gegenwärtig, als dass ich dazu raten würde", betonte das Staatsoberhaupt.