Weltverkehrsforum

Köhler regt Energiesteuer auf Kerosin und Schiffstreibstoff an

Bundespräsident Horst Köhler hat angesichts von Prognosen über rasant wachsende Verkehrsströme in aller Welt mehr "Kostenwahrheit" im Verkehr gefordert. Diese lasse sich durch politische Entscheidungen erreichen, ja sogar erzwingen, wenn es nötig sei, sagte Köhler am Donnerstag auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig (ddp/red) - Ein erster Schritt zu mehr Kostenwahrheit sei die Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel im kommenden Jahr. Köhler regte in dem Zusammenhang an, Kerosin und Schiffstreibstoff künftig nicht mehr von der Energiesteuer zu befreien. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will nach eigenen Worten in der Verkehrspolitik künftig neue Wege gehen.

"Kostenwahrheit fördert intelligente Logistik, die verschiedene Verkehrsträger kombiniert", sagte er. Sie würde auch die Binnenschifffahrt und den Schienenverkehr attraktiver machen und fördere den fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern. "Bequem ist dieser Wettbewerb durch Kostenwahrheit nicht", räumte Köhler mit Blick auf möglichweise auch für den Verbraucher steigende Kosten ein.

Deutschland sei führend in modernen Umwelttechnologien, müsse aber zur Schonung der Umwelt auch darüber nachdenken, künftig Transportwege ganz und gar zu vermeiden. Dies sei beispielsweise in der Landwirtschaft möglich, indem Produkte in der eigenen Region erzeugt und verbraucht würden.

Köhler zufolge schätzen Experten, dass sich die Zahl der Kraftfahrzeuge zwischen 2002 und 2030 verdoppeln wird. Schon heute würden mehr als 13 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen durch Verkehr und Transport verursacht. "Das kann und darf nicht einfach so weitergehen", sagte Köhler.

Ramsauer betonte, die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe, der Klimawandel, das anhaltende Verkehrswachstum und die Lebensqualität der Städte forderten ein neues Denken und globales Handeln. "In den kommenden Jahrzehnten muss es uns gelingen, die Erfordernisse des Verkehrs mit den Bedürfnissen der Wirtschaft sowie des Umwelt- und Klimaschutzes in Einklang zu bringen", sagte er. Bis 2020 sollen ihm zufolge mindestens eine Million Elektro-Autos auf deutschen Straßen fahren. Politik und Wirtschaft fördern Forschung und Entwicklung der alternativen Antriebe mit insgesamt rund zwei Milliarden Euro.

Der Generalsekretär des International Transport Forum (ITF), Jack Short, sagte, ein Viertel aller Emissionen entfalle bereits heute auf den Verkehr. Da sich das Verkehrsaufkommen in den kommenden Jahrzehnten immer mehr erhöhe, könnten Emissionen künftig nur durch innovative Technologien gesenkt werden. "Der Verkehr hat keine Wahl. Wir müssen uns den Herausforderungen stellen", betonte er.