Uneinigkeit auch in Hessen

Koch will den Bau neuer Atomkraftwerke ab 2010 prüfen

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland ab 2010 erneut prüfen. Zudem sollten derzeitige Kraftwerke noch eine "ganze Weile" weiterlaufen. SPD-Politikerin Ypsilanti hält jedoch am Atomausstieg fest und will den Umstieg zu erneuerbaren Energien fördern.

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Hamburg/Frankfurt(Main) (ddp-hes/sm) - "Erst Anfang des nächsten Jahrzehnts müssen wir entscheiden, ob wir wirklich glauben, so viel klüger zu sein als Japan, Russland, China, Großbritannien und andere und als einziger G-8-Staat auf neue Kernkraftwerke ganz verzichten", sagte Koch der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Bis zur Prüfung von Neubauten sollten die bestehenden Reaktoren in Betrieb bleiben.

Nach dem noch unter der Regierung von SPD und Grünen beschlossenen Plan zum Atomausstieg sollen in dieser Legislaturperiode einige Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, am Atomausstieg nicht zu rütteln. Koch sagte dagegen: "Unser hoher Kerntechnik-Stand in Deutschland macht es möglich, dass wir unsere jetzigen Kraftwerke noch eine ganze Weile weiter laufen lassen können."

Ypsilanti will an Atom-Ausstieg festhalten

Andrea Ypsilanti, SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen in Hessen, sieht dagegen keinen Grund für ein Abrücken vom beschlossenen Atomausstieg. In der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe) kritisiert sie laut Vorabbericht die Überlegungen des Ministerprsidenten. "Koch ist in der atompolitischen Sackgasse", sagte Ypsilanti. "Wir haben ein überzeugendes Gegenkonzept. Wir wollen den Umstieg zu erneuerbaren Energien und haben mit Hermann Scheer auch einen international glaubwürdigen Experten gewonnen."

Ypsilanti hatte Scheer am Wochenende als Experten für Wirtschaft und Umwelt in ihr Schattenkabinett berufen.