Forderung

Koch dringt auf Abkehr vom Atomausstieg

Die 17 aktiven deutschen Atomkraftwerke haben nach Angaben des Deutschen Atomforums 2006 mehr Strom produziert als im Vorjahr. Inzwischen sprach sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch für einen Weiterbetrieb alle Anlagen ohne politische Befristung aus.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Hamburg (ddp/sm) - Wie der Branchenverband am Mittwoch in Berlin mitteilte, erhöhte sich die Produktion um 2,7 Prozent auf 167,4 Milliarden Kilowattstunden. Am meisten Strom habe die Anlage "Isar 2" bei München mit 12,4 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, hieß es weiter. Im Durchschnitt seien die einzelnen deutschen Kernkraftwerke 2006 gut 91 Prozent der Zeit und damit zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr am Netz gewesen.

Im Magazin "Stern" bezeichnete es Koch als "unerlässlich, dass wir die vorhandenen Kernkraftwerke so lang betreiben, wie es ihre technische Sicherheit ermöglicht". Spätestens Anfang des nächsten Jahrzehnts müsse dann entschieden werden, "ob wir auch in eine neue Generation von topmodernen Kraftwerken auf deutschem Boden investieren oder ob wir zulassen, dass die deutschen Stromkonzerne das nur im Ausland tun".

Die Union werde in der großen Koalition "so lange mit den Sozialdemokraten ringen müssen, bis sie bereit sind nachzugeben", sagte Koch weiter. Nach seiner Einschätzung findet in der Bevölkerung und auch in der SPD ein Umdenken statt. Ihm würde schon reichen, "wenn die SPD die Energielücke einräumt und dann sagt, sie braucht noch zwei, drei Jahre zum Nachdenken und deshalb zustimmt, im Rahmen des geltenden Atomgesetzes die Reststrommengen so zu verteilen, dass alle Kernkraftwerke weiterlaufen können". Dies erzwinge "keine neue Gesetzgebung mit allem Durcheinander in dieser Legislaturperiode".

Koch: "Die Kernenergie kommt in die deutsche Energiepolitik zurück. Die Frage ist: früher, später oder zu spät? Für Deutschland kann das eine existenzielle Frage werden."

Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti betonte dagegen, weder in der Bevölkerung noch in der SPD - vom Bundesvorstand über den Bundesumweltminister bis hin zur Bundestagsfraktion - gebe es ein Umdenken in dieser Frage. Die SPD bleibe bei dem Thema "standhaft". Die Nutzung dieser Hochrisikotechnologie müsse wie geplant im Jahr 2021 zu Ende gehen.

Unterdessen bekräftigte die spanische Regierung das Festhalten am Atomausstieg. So soll es weiterhin keine neuen Atomkraftwerke geben und die Anlage in Garona 2009 abgeschaltet werden. Nach einem Bericht des Internetmagazins "Telepolis" wurde die vom Betreiber beantragte Laufzeitverlängerung bis 2019 abgelehnt.

Weiterführende Links
  • "Telepolis" zum spanischen Atomausstieg