Atomstreit geht weiter

Koch: Atomausstieg ist "kapitaler Fehler"

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat den geplanten Atomausstieg Deutschlands als "kapitalen Fehler" bezeichnet. "Jeder weiß doch, dass die Botschaft von Rot-Grün falsch war, Deutsche müssten nur aussteigen, dann würden die anderen folgen", sagte Koch am Wochenende in einem Zeitungsinterview.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Kassel/Berlin/Frankfurt (ddp/sm) - Gegenüber der "Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen" (Samstagausgabe) sagte Koch, Tatsache sei, dass alle anderen bedeutenden Industriestaaten der Welt das Gegenteil täten.

Koch betonte, Deutschland müsse sich überlegen, ob es zu verantworten sei, "dass unsere polnischen Nachbarn Kernkraftwerke bauen, wir dagegen mutwillig funktionierende Kraftwerke abschalten". Gleichzeitig verliere Deutschland sein Know-how in der Kernkraft-Sicherheitstechnik, und die Strompreise würden steigen, weil der Strom woanders eingekauft werden müsse. Das sei eine ausgesprochen gefährliche Ausgangslage für ein Land, das in Wohlstand leben wolle. Zwar sei die gesellschaftliche Diskussion für einen Neubau noch nicht fortgeschritten genug. "Aber der Ausstieg wäre ein kapitaler Fehler." Der G-8-Gipfel "hat uns den Spiegel vorgehalten: Ihr seid allein", mahnte Koch.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil erwiderte in Berlin, der Atomausstieg sei richtig. Die entsprechende Koalitionsvereinbarung gelte. Die SPD setze auf eine moderne Energiepolitik, "also auf Versorgungssicherheit, Energieeffizienz und erneuerbare Energien". Heil kritisierte die Debatte um den Wiedereinstieg in die Atomkraft als rückwärtsgewandt.

Die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) in Hessen kritisiert den Atomkurs von Koch. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie habe die rot-grüne Bundesregierung eines ihrer wenigen positiven Zeichen gesetzt, sagte WASG-Landesvorstandsmitglied Dieter Hooge am Sonntag in Frankfurt am Main. Wenn Koch diese Entscheidung nun als Fehler bezeichne, zeuge dies von "Kaltschnäuzigkeit und Ignoranz". Die überwiegende Mehrheit der Menschen wolle, dass die Atommeiler abgeschaltet werden, "ob das dem hessischen Ministerpräsidenten passt oder nicht", unterstrich Hooge.